Corona in Kenia – 09.04.20

"Ich kann Corona nicht sehen, aber ich spüre meinen Hunger"

Corona hat Afrika erreicht und stellt die Menschen vor eine Zerreißprobe. Unser Kollege Walter Odhiambo berichtet von unvorstellbaren Herausforderungen.

Die Menschen in Afrika trifft die Corona-Krise besonders hart – viele, besonders die Kinder, mussten schon bisher ums tägliche Überleben kämpfen. Wenn die Sorge um die täglichen Mahlzeiten an erster Stelle steht und Wasser und Seife nicht verfügbar sind, scheint der Kampf gegen das Virus aussichtslos. Walter Odhiambo, Leiter SOS-Kinderdorf Kenia berichtet über die aktuelle Situation in den Slums im Land.

Walter Odhiambo, Leiter SOS-Kinderdorf Kenia: "Wir müssen jetzt schnell handeln!"
Foto: SOS-Archiv

 

SOS-Kinderdorf versucht, Kindern und Familien mit Maßnahmen zu helfen, die für sie Schutzmaßnahmen und Einkommensmöglichkeiten zugleich sind.

Wie erleben die Menschen in Kenia die Corona-Krise?

Die Ausgangbeschränkungen und Schließungen von Geschäften, Hotels und Restaurants stürzen unser Land immer weiter ins Chaos. Menschen, die von der Hand in den Mund leben, können nun keine Arbeit mehr finden und haben nicht genug Geld für Lebensmittel. Gleichzeitig steigen auch die Preise und viele Waren fehlen. Die Bauern, die normalerweise ihre Waren über Nacht liefern, konnten durch die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen zum Teil ihre Lebensmittel nicht in die Städte transportieren. In den Slums gibt es bereits erste Aufstände gegen die Vorsichtsmaßnahmen, weil viele Menschen wie z.B. Straßenhändler auf die abendliche Arbeit angewiesen sind. Jemand hat gestern zu mir gesagt: „Ich kann Corona nicht sehen, aber ich spüre meinen Hunger. Wenn ich zwischen einem Stück Brot und einem Stück Seife wählen muss, werde ich mich sicher für Brot entscheiden!“

 

Das heißt, die wirtschaftlichen Konsequenzen sind ein größeres Problem als das Virus?

Es ist auf jeden Fall eine gefährliche Kombination, wenn das Gesundheits- und Wirtschaftssystem gleichzeitig zusammenbrechen. Menschen die hungern, halten sich nicht an Vorsichtsmaßnahmen. Wie sollen Menschen häufig Hände waschen, wenn sie sich kein Wasser leisten können? Wenn ich in einem Slum auf engstem Raum zusammengepfercht lebe, wie soll ich Abstand halten oder mich gar isolieren? Die Menschen in den Slums sind zurecht verärgert. Sie haben kaum Möglichkeiten sich zu schützen und in erster Linie Sorge, genug zu essen zu haben. Solange wir ihnen nicht helfen, ihr tägliches Überleben zu sichern, werden sie sich nicht an die Beschränkungen halten.

 

Welche Lösungen gibt es und wie kann SOS-Kinderdorf helfen?

Wir dürfen die Menschen nicht im Stich lassen. Wir von SOS-Kinderdorf verteilen nun Lebensmittel an Familien in den Slums. Außerdem sorgen wir dafür, dass Familien Schutzmasken nähen können und dafür auch bezahlt werden. So können wir zwei Probleme auf einmal lösen. Wir wollen auch dabei unterstützen, dass die Menschen in den Slums selbst Seife herstellen können – für den eigenen Schutz und zum Verkauf. Weiters wollen wir unsere Schulen und Trainingszentren als Isolationsstationen zur Verfügung stellen. Unsere Klinik in Nairobi bereitet sich bereits auf die Behandlung von Corona-Fällen vor. Keiner kann mit den Auswirkungen dieser Krise alleine fertig werden. Wir müssen jetzt alle zusammenhalten. Wir werden kreativ sein müssen und auch improvisieren. Aber vor allem müssen wir jetzt schnell handeln.

Bitte helfen Sie!

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