Corona Zeit – 04.12.20

Eltern am Limit!

Die aktuelle Situation belastet Familien stark. Uns erreichen viele Anfragen zu Krisenunterbringung von Kindern und Jugendlichen.

Was wir seit Beginn von Corona und erstem Lockdown schon befürchtet haben, wird jetzt sichtbar: Derzeit erreichen uns in verschiedenen Bundesländern und Standorten viele Krisenanfragen für die unterschiedlichsten Betreuungsangebote, sei es ein Platz in einer Krisen WG, im Jugendwohnen, oder auch im mobilen Bereich für Familien vor Ort. "Es kommen Anfragen für die Unterstützung von Familien, wo es vermehrt zu Gewalteskalation gekommen ist, Väter weggewiesen wurden und wo es jetzt akute Unterstützung in der Krise braucht", bestätigt Marek Zeliska, SOS-Kinderdorfleiter im Burgenland.

"Immer wieder gibt es auch Anfragen zur Unterstützung von besonders kinderreichen Familien. Meist sind es mehrere Probleme, die zu Überforderung führen, wie Erkrankung innerhalb der Familie, erhöhter Aufwand für ein Kind, wo eine Grunderkrankung vorliegt, zum Beispiel Autismus. Auch die Ablösungsthematik von Jugendlichen wächst im Moment vielen Eltern oder Alleinerziehern über den Kopf." Homeschooling, homeoffice, drohender Jobverlust, Angst vor der Zukunft, Partnerschaftsprobleme, Gewalt, vermehrter Alkoholkonsum bringen das Fass zum überlaufen. Der Druck in vielen Familien ist spürbar hoch.

Krisenunterbringung gefragt

"In unserer Krisenwohngemeinschaft Barbakus in Kärnten gab es sehr viele Aufnahmeanfragen, die dringlicher Unterstützung bedurften, glücklicherweise konnten wir diesem Bedarf auch gerecht werden. Dies scheint einerseits auf die Auswirkungen in den Familien durch die Zeit des ersten Lockdowns zurückzuführen, andererseits sind es Folgewirkungen, die aus den nunmehr schon knapp ein Jahr andauernden übermäßigen Belastungen vieler Familien resultieren", berichtet SOS-Kinderdorfleiter Gerald Stöckl in Kärnten.

Einschränkung von Direktkontakten erschwert Einblick in Familienwelt

"Das Problem ist auch, dass Direktkontakte derzeit möglichst eingeschränkt werden sollen, aber es in einigen Familien gerade jetzt wichtig, aktiv zu unterstützen. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vom mobilen Familiendienst müssen derzeit besonders wachsam sein. Wenn es Anzeichen in Familien gibt, dass sich die Lage zuspitzt, muss der Druck rausgenommen werden."

Auch die Kinder- und Jugendhilfe Abteilungen sind momentan sehr gefordert, denn vielfach müssen die SozialarbeiterInnen auch im Corona-Krisenstab mitarbeiten. "Sie sind oft sehr froh, wenn wir von SOS-Kinderdorf rasch und unkompliziert reagieren und unterstützen können", so Zeliska, SOS-Kinderdorf Burgenland. "Trotz oder gerade wegen dieser zusätzlichen Herausforderungen, Familien mobil vor Ort zu unterstützen müssen diese Betreuungen intensiv aufrechterhalten werden. Es darf durch die restriktiven Maßnahmen keine Familie zurückgelassen werden!", appelliert Kärntens SOS-Kinderdorfleiter Stöckl.

Vorfreude auf Weihnachten bei Kindern steigt – Druck bei Eltern ebenfalls

Besonders schwierig ist die diesjährige Weihnachtszeit für Familien, die jemanden verloren haben, bzw. wo finanzielle, gesundheitliche und psychische Probleme vorliegen. Das enge Familienleben sorgt derzeit für Sprengstoff. Aber auch von Haus aus setzen sich Familien an Weihnachten viel zu oft unter Druck, einem bestimmten Familienideal zu entsprechen, welches nicht der Realität entspricht. Geschenke, Essen, Stimmung - alles muss perfekt sein. Schon aus Erfahrung heraus weiß SOS-Kinderdorf um das jährliche Eskalationspotenzial zu Weihnachten und rät in diesem Jahr zu besonders viel Achtsamkeit und hofft auf breite Unterstützungsmöglichkeiten.