Care Day – 17.02.21

Junge Erwachsene nach der Jugendhilfe

Mit dem Erreichen der Volljährigkeit verlieren viele junge Erwachsene ihren Anspruch auf notwendige Unterstützung.

Ein Jugendlicher, der nicht bei seinen Eltern leben kann, verliert mit dem 18. Geburtstag den Anspruch auf Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe. Das heißt, er muss von einem Tag auf den anderen aus seiner betreuten Wohngemeinschaft ausziehen und auf eigenen Beinen stehen. Das ist für viele junge Menschen, die SOS-Kinderdorf betreut, ein sehr großer Schritt, der kaum zu bewältigen ist. Denn viele waren in ihrer Kindheit großen Belastungen ausgesetzt und brauchen etwas länger Zeit, um erwachsen zu werden.

Dabei geht es zum einen um ganz praktische Dinge wie Behördengänge erledigen, Rechnungen bezahlen, jeden Tag pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen. Zum anderen geht es aber auch darum, einen Ort zu haben, an dem man sich sicher fühlt. Es geht darum, Menschen um sich zu haben, die man um Rat fragen kann und auf die man sich verlassen kann. Wenn das plötzlich weg fällt, kann es passieren, dass Jugendliche, die sich bereits gut stabilisiert haben ihren Halt wieder verlieren und langfristig von der Sozialhilfe abhängig werden.

Die meisten jungen Menschen in Österreich leben bis zum 25. Lebensjahr bei Mama und Papa. Für sie ist es völlig selbstverständlich, dass jemand da ist, der sie beim Erwachsenwerden unterstützt. Warum sollte ausgerechnet jenen, die es ohnehin schon schwer haben, diese Hilfe verwehrt bleiben?

 

Rechtsanspruch über Volljährigkeit hinaus

Um die Benachteiligung von Care Leaver*innen endlich zu beenden, fordert SOS-Kinderdorf einen gesetzlichen Anspruch auf Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe über die Volljährigkeit hinaus, um der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung gegenüber diesen jungen Menschen gerecht zu werden. Völlig unabhängig davon, in welchem Bundesland der Betroffene lebt. Derzeit werden Verlängerungen von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir wünschen uns deshalb eine österreichweite Lösung. Nur so kann es Rechtssicherheit und Transparenz geben. Wir hoffen, dass die Regierung hier ihrer Verantwortung nachkommt und sich dem Thema Care Leaver, wie bereits im Regierungsrogramm angekündigt, endlich annimmt. 

 

Nachbetreuung bei SOS-Kinderdorf

SOS-Kinderdorf finanziert in ganz Österreich Nachbetreuungsstellen. Das heißt: Jeder und jede, der in seinem/ihrem Leben von SOS-Kinderdorf betreut wurde, kann sich jederzeit an uns wenden. Diese Hilfe gehört flächendeckend ausgebaut für ALLE sogenannten Careleaver – egal, bei welchem Träger sie untergebracht waren und egal in welchem Bundesland sie leben.

Mit der SOS-Kinderdorf Alumni Akademie wurde außerdem ein Ort der Begegnung, des Lernens und des Austausches für alle Ehemaligen von SOS-Kinderdorf geschaffen. Neben Workshops und Weiterbildungen bietet die Alumni Akademie auch soziales Networking an, um sozialer Isolation entgegen zu wirken.

 

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