Beständigkeit gibt Geborgenheit und Vertrauen

Beide – Geborgenheit und Vertrauen – sind wichtige Zutaten für die gute Entwicklung von Kindern zu lebensfrohen, verantwortungsvollen und selbstständigen Erwachsenen. Hilda Kastenhofer hat bereits sechs junge Menschen in ein solches Leben begleitet.

Hilda Kastenhofer ist seit 23 Jahren SOS-Kinderdorf-Mutter. Zehn gesunde und glückliche Kinder sind die erfreuliche Bilanz. Der Kontakt zu den Erwachsenen ist ein ganz persönlicher geblieben. Es vergeht keine Woche in der sie nicht zumindest kurz zu Besuch kommen. Sie wollen wissen, wie es ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter und den Hausgeschwistern geht. Und sie wollen auch von sich erzählen.
 
Deborah (25, links) ist im SOS-Kinderdorf
Altmünster aufgewachsen und besucht auch
heute noch ihre SOS-Kinderdorf-Mutter
Hilda Kastenhofer.
Fotos Klaus Mitterhauser

Wie gelingt es, mit jungen Menschen, die aus verschiedenen Familien kommen und deren leibliche Mutter man nicht ist, eine gute Beziehung zu gestalten? "Das braucht Zeit und die muss man den Kindern geben", verrät die erfahrene Familienpädagogin. "Junge Menschen sollen einem auch eine Herzensangelegenheit und niemals egal sein", ergänzt sie. Ihr erster Schützling war die damals erst zweijährige Deborah; danach folgten drei Buben mit 11, 9 und 4 Jahren. Noch ein Jahr später machten zwei weitere Hausbrüder, vier- und zweieinhalbjährig, die SOS-Kinderdorf-Familie komplett. "Es gibt kein Patentrezept für eine gute Beziehung", meint Hilda Kastenhofer. "Es ist wichtig, die Kinder anzunehmen, wie sie sind und für sieda zu sein. Wir verbringen bewusst viel Zeit miteinander, sitzen oft am gemeinsamen Esstisch und erzählen uns vom Tag." Es ist die Beständigkeit, die Geborgenheit und Vertrauen gibt, davon ist die SOS-Kinderdorf-Mutter überzeugt. Daraus wiederum entsteht eine verlässliche, gute Basis.

Heute begleitet Hilda Kastenhofer vier Burschen im Alter von 11, 12 und 13 Jahren. Drei davon sind Brüder, die nachfolgten, als die ersten Kinder flügge wurden. Sebastian kam vor eineinhalb Jahren als jüngstes Familienmitglied dazu. Auch zu dieser zweiten Generation konnte sie ein stabiles und liebevolles Verhältnis aufbauen. Die Wärme in der Familie kommt aus den Herzen ihrer Mitglieder. Wärmeentsteht aber auch durch Reibung. Eine gute Beziehung verlangt nicht, dass immer alle so funktionieren, wie es sich die anderen erwarten. Kinder brauchen beispielsweise Grenzen, die sie auch verlangen. Im Haus Kastenhofer gibt es daher feste Regeln, die vorgegeben und besprochen werden. Natürlich wird auch diskutiert, aber die SOS-Kinderdorf-Mutter bleibt konsequent. Mit einem Schmunzeln erzählt sie, dass die Großen meinen, bei ihnen wäre sie viel strenger gewesen. "Das mag sein", räumt sie ein, "man wird mit der Zeit gelassener und mit jedem Kind ein bisschen lockerer."

Teil einer SOS-Kinderdorf-Familie sind auch die leiblichen Eltern. Selbst wenn die Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihnen aufwachsen, bleiben sie Mama und Papa. "Es war mir immer wichtig, nicht als Konkurrentin aufzutreten", erklärt Hilda Kastenhofer, die ihre Rolle so sieht: "Ich bin für ihre Kinder da und bereit, diese aufzuziehen, für sie zu sorgen. Mir ist aber bewusst, dass ich nicht die Mutter bin." Die regelmäßigen Zusammentreffen verlangen viel Toleranz.

"Auch wenn es für alle nicht immer leicht ist, habe ich dafür gesorgt, dass die Kinder ihre Eltern schätzen", resümiert die SOS-Kinderdorf-Mutter. Der Zukunft blickt Hilda Kastenhofer wachsam, aber beruhigt entgegen. Wenn sie in Pension geht, will sie die Kinder, die jetzt bei ihr leben, auf einem guten Weg wissen. Komisch wird es, das Haus zu verlassen, das für alle Familienmitglieder zum liebgewonnenen Zentrum geworden ist. Es wird zum Zuhause für eine neue SOS-Kinderdorf-Familie. Wo immer die SOS-Kinderdorf-Mutter ihren wohl verdienten Ruhestand genießt - der Kontakt zu ihren zehn SOSKinderdorf-Kindern, deren Partnern und den Enkelkindern wird immer aufrecht bleiben – da sind sich alle sicher.
 

"Hallo Mutti!"


Mit diesen Worten steckt die 25-jährige Deborah auch heute noch ihren Kopf bei der Tür herein. Mit ihrer SOS-Kinderdorf-Mutter Hilda Kastenhofer fühlt sie sich eng verbunden. "Sie ist meine Mutti und meine Hausgeschwister sind meine Brüder", erzählt die junge Frau, die mit zwei Jahren ins SOS-Kinderdorf übersiedelte. "Ich komme so oft es geht vorbei, manchmal jeden Tag." Dann wird gemeinsam Kaffee getrunken und getratscht. Der Austausch tut allen gut. Ihre Hausbrüder trifft Deborah ebenso regelmäßig, manchmal zufällig am Fußballplatz oder beim Fortgehen, manchmal auf Familientreffen. "Ich bin die Taufpatin vom Sohn eines meiner SOS-Kinderdorf-Geschwister", berichtet sie stolz. In ihrer SOS-Kinderdorf-Familie fühlt sie sich auch als Erwachsene sicher. "Ich weiß, dass immer alle da sein werden, wenn ich Hilfe brauche."
 

Weitere Informationen

  • Das SOS-Kinderdorf Altmünster wurde 1955 gegründet. Derzeit wohnen dort 50 Kindern in 11 SOS-Kinderdorf-Familien. Mehr...
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