Mosambik – 10.04.19

Beira: Die Situation ist noch schlimmer als erwartet

Zwei Wochen nachdem der Zyklon Idai in Beira eine Spur der Verwüstung hinterlassen hat, sprechen zwei Kollegen von SOS-Kinderdorf über die Situation in Beira.

Die Nothilfe konzentriert sich derzeit auf:

Versorgung von 700 Haushalten (Familien mit Kindern)  mit dem Allernotwendigsten (Essen, pschologische Begleitung, Baumaterialien)

 

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Die Schulen sind zerstört oder geschlossen, ebenso die Krankenhäuser, die Wasserversorgung ist unterbrochen. Die Gesundheitsbehörden melden die ersten Fälle von Cholera in der Stadt.

Kinder und Familien im SOS-Kinderdorf Beira sind wohlauf. Das Dorf hat aufgrund seiner stabilen Bauweise geringe Schäden, jedoch haben viele MitarbeiterInnen ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Eine stabile Strom- und saubere Wasserversorgung ist aber auch dort eine große Herausforderung.
 

141.000 Menschen sind obdachlos und haben notdürftig in Schulen Unterschlupf gefunden, wie diese Mutter mit ihrem Kind. (Foto: Cornel van Heerden)


Der Sturm traf Beira in der Nacht vom 14. auf den 15. März und machte 128.000 Menschen in Beira obdachlos. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 1,8 Millionen Menschen in Mosambik Hilfe benötigen, viele davon auch in Malawi und Simbabwe.

 

Aílton Muchave ist der nationale Programmdirektor für SOS-Kinderdorf Mosambik. Psychologin Dr. Teresa Ngigi bildet bei SOS-Kinderdorf Kriseninterventionsteams für psychische Gesundheit und psychologische und soziale Unterstützung aus. Sie ist Teil des Global Emergency Response Teams in Beira. Von Beria aus beantworten sie Fragen zur heutigen Situation:

Wie geht es den Familien, die wir über die Familienstärkungsprogramme betreuen?
Teresa Ngigi: Alle diese Familien haben Verluste zu beklagen. Sie leben in Notunterkünften, zum Beispiel in Schulen. Wir haben eine der Schulen besucht, in denen rund 250 Menschen leben. Die Stimmung dort ist erschreckend, die Menschen sind gestresst und aufgeregt. Die brauchen nun schnell Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser, damit sie wieder nach Hause gehen können.

 

 


Alle Notunterkünfte, die wir besucht haben, sind überfüllt. Es gibt stehendes Wasser und das ist ein Nährboden für Stechmücken. Es gibt zu wenige Toiletten und die sind meist kaputt. Das erhöht das Risiko von Krankheiten und Infektionen. Es gibt auch keine Vorrichtungen um das verunreinigte Waser zu filtern und zu säubern.

 

Die Großmutter lebt mit ihrem Enkel ebenfalls in einer Schule. Ihr Haus wurde vom Zyklon zerstört. (Foto: Cornel van Heerden)


Wie steht es um die medizinische Versorgung?
Teresa Ngigi: Die gesundheitliche Versorgung ist schlecht. Nur eines der wichtigsten Krankenhäuser von Beira funktioniert. Die Menschen werden nicht behandelt und leiden unter Malaria, Cholera und anderen Erkrankungen. Die Situation wird sich in naher Zukunft nicht verbessern, da zunächst Medikamente, medizinische Geräte und medizinische Einrichtungen aufgefüllt werden müssen.

Wie ernst ist das Cholera-Risiko im Katastrophengebiet?
Aílton Muchave: In einem Stadtviertel von Beira wurden bereits Fälle von Cholera gemeldet. Die Vereinten Nationen bringen 900.000 Impfdosen mit, doch zu diesem Zeitpunkt besteht weiterhin die Gefahr, dass weitere Fälle auftreten.

Die Schulen, die vom Zyklon halbwegs verschont wurden, sind notdürftig für obdachlose Menschen bereit gestellt. Der Unterricht kann erst wieder aufgenommen werden, wenn für diese Menschen ein neuer Platz gefunden wurde. (Foto: Cornel van Heerden)

 

Wie sind die allgemeinen Bedingungen in Beira zwei Wochen nach dieser Katastrophe?
Aílton Muchave: Die Situation ist viel schlimmer als erwartet. Viele Menschen sind in einem Schockzustand, manche erholen sich. Es gibt viele Traumata unter den Menschen und es wird Zeit und die Zusammenarbeit aller erfordern, um Beira wieder aufzubauen und sich zu erholen.

 

Was kann SOS-Kinderdorf tun, um zu helfen?
Teresa Ngigi: Wir prüfen sorgfältig die Bedürfnisse unserer betreuten Familien und der Communities drum herum. Wir dürfen nun keine Erwartungen wecken, die wir dann nicht erfüllen können. Nun Hoffnung schüren und dann doch nicht helfen, das wäre das Schlimmste, was wir tun können. Wir müssen einen konkreten Plan haben und genau wissen, wo und wie wir helfen. Die Leute sind jetzt sehr, sehr empfindlich.

Aílton Muchave: Wir haben bereits drei Felder identifiziert, in denen wir konkret helfen können:

Einige der Grund- und Mittelschulen werden als Notunterkünfte genutzt. Die Regierung bringt diese Menschen in Notunterkünfte, die von den Vereinten Nationen eingerichtet werden, damit die Schulen so schnell wie möglich wieder eröffnet werden können. Wir möchten in diesen Notunterkünften für Kinder „child-friendly spaces“, unsere Kinderschutzzonen schaffen.

Wir werden Lebensmittelpakete für Familien bereitzustellen, die Schwierigkeiten haben, zu den Verteilzentren zu gelangen, wie zum Beispiel Kranke oder Kleinkinder.

Die Kinder brauchen Unterrichtsmaterialien, da viele ihre Häuser und Schulen verloren haben. Wir werden Bücher, Hefte, Schreibutensilien verteilen, damit diese Kinder so schnell wie möglich in den Unterricht zurückkehren können.
 

Das SOS-Nothilfe Team vor einem zerstörten Haus in Beira. (Foto: Cornel van Heerden)


Wie würden Sie die Situation für die Kinder im SOS-Kinderdorf Beira beschreiben?
Teresa Ngigi: Erstaunlicherweise haben sich die Kinder im SOS-Kinderdorf tatsächlich sehr schnell erholt, auch wenn die Erfahrung für sie und die Mütter sehr schrecklich war.



Unsere KollegInnen vor Ort waren vorbereitet. Es gab Lebensmittelreserven und für alle wurde die notwendige Schulung und Ausrüstung bereitgestellt. Sie hatten auch Fackeln und Walky-Talkies, die funktioniert haben. Alle Kinder waren beim Eintreffen des Zyklons  bei ihren SOS-Müttern. Die Kinder fühlten sich beschützt und sicher. Das hat den Stress verringert.

Wie gehen die Betreuer und die anderen Mitarbeiter mit der Situation um?
Teresa Ngigi: Die SOS-Mütter haben auch eigene Häuser und Familien und sie erlitten ebenso wie alle anderen Menschen Verluste. Wir wollen sie beim Wiederaufbau ihrer Häuser unterstützen. Sie sind sehr engagiert und stellen die SOS-Familie vor das Wohl der eigenen Familie. Man sieht, dass sie leiden.

 

Eine Mutter spielt mit ihrem Baby. Es ist wichtig, den Menschen, die alles verloren haben, die richtige Hilfe zukommen zu lassen. (Foto: Cornel van Heerden)


Sehen Sie in dieser sehr tragischen Situation Anzeichen von Hoffnung?
Teresa Ngigi: Ich habe Kinder zwischen den Trümmern einer zerstörten Schule spielen sehen. Das zeigt Hoffnung. Ich bin beeindruckt von der Widerstandsfähigkeit der Menschen hier. Sie können Leute sehen, die kleine Kioske aufstellen, die kleine Sachen verkaufen. Das ist gut - es ist ein Zeichen, dass die Leute weitermachen wollen. Der Wille ist da und der ist ungebrochen, aber die Menschen brauchen jetzt Unterstützung!

 

SOS-Kinderdorf Nothilfe Mosambik

Naturkatastrophen sind nicht vorhersagbar. Damit SOS-Kinderdorf bei akuten Krisen schnell und zielgerichtet helfen kann, planen und koordinieren die KollegInnen die Nothilfe vor Ort mit allen notwendigen Maßnahmen.

Für diese rasche und unbürokratische Hilfe benötigen wir Spenden, die wir genau dort einsetzen können, wo sie am dringendsten benötigen werden. 

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Unsere Arbeit vor Ort

Mosambik 
6 SOS-Kinderdörfer, 6 Familienstärkungsprogramme bzw. Sozialzentren,
1 Schule

Malawi
4 SOS-Kinderdörfer, 3 Familienstärkungsprogramme bzw. Sozialzentren,
4 Schulen, 1 Berufsbildungszentnrum, 2 medizinische Zentren

Simbabwe
3 SOS-Kinderdörfer, 3 Familienstärkungsprogramme bzw. Sozialzentren,
5 Schulen, 1 Berufsbildungszentrum

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