Vergeudete Chance – 4. Dezember 2018

Aus Drasenhofen lernen!

Es ist schade, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Fall Drasenhofen nicht als Anlass nimmt, die Betreuung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen in Niederösterreich auf neue, kinderrechtskonforme Beine zu stellen!

Die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen soll in Niederösterreich weiterhin vom Landesrat für Asyl, Gottfried Waldhäusl, gelenkt werden. Das wurde am Dienstag bekannt. "Es ist schade, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner den Fall Drasenhofen nicht als Anlass nimmt, um die Betreuung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen auf neue, kinderrechtskonforme Beine zu stellen", sagt Clemens Klingan, Geschäftsleiter bei SOS-Kinderdorf.

Die Kinder- und Jugendhilfe hat für jeden Minderjährigen ohne Eltern die Obsorge zu übernehmen und die bestmögliche Betreuung sicherzustellen. Völlig unabhängig von Herkunft und Asylstatus. Das stellt auch ein Rechtsgutachten klar. 

"Nur wenn die Kinder- und Jugendhilfe Verantwortung übernimmt, kann eine gute Pflege und Erziehung der Jugendlichen sichergestellt werden. Minderjährige brauchen immer eine angemessene Form der Betreuung. Grundversorgung ist für Kinder und Jugendliche zu wenig“, so Klingan.

Clemens Klingan

Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht auf individuelle Betreuung, auf Bildung, auf Entfaltung. Die Ereignisse in Drasenhofen zeigen, dass es höchste Zeit ist, die Betreuung für minderjährige Flüchtlinge in Niederösterreich generell neu zu denken. Die Rahmenbedingungen sind in kaum einem Bundesland so schlecht wie in Niederösterreich!

Clemens Klingan



Die schlechte Betreuungssituation kombiniert mit der relativ hohen Anzahl an in Niederösterreich aufgenommen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ist eine gefährliche Mischung. Solange geflüchtete Jugendliche nur grundversorgt werden, ist eine adäquate Betreuung nicht gesichert. Die Grundversorgung deckt mit Unterkunft, Verpflegung und Kleidung nur die elementaren Bedürfnisse der Minderjährigen ab.

"Aus unserer österreichweiten Erfahrung in der Betreuung von jungen Flüchtlingen wissen wir, dass eine Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe häufig zu einer besseren und passenderen Betreuung führt. Damit kommt es nach unserer Erfahrung auch deutlich seltener zu Krisen und Eskalationen", sagt Klingan.

 

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