SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser, SOS-Kinderdorfleiter Standortleiter Salzburg Wolfgang Arming und Landesrätin Martina Berthold überreichten Modul- und Jahreszeugnisse sowie ÖSD-Sprachzertifikate an die stolzen Schülerinnen und Schüler.
2. August 2016

Positive Zukunftsaussichten durch Bildung

Das SOS-Kinderdorf Bildungsprogramm MINERVA gibt seit 2008 geflüchteten Jugendlichen den Schlüssel für eine gelungene Integration in die Hand.

Die schriftliche Bestätigung, mit Fleiß und Engagement einen großen Schritt in Richtung selbstbestimmte Zukunft gegangen zu sein, erhielten vergangenen Freitag 33 Jugendliche bei der Zeugnisübergabe des Bildungsprojektes Minerva im SOS-Kinderdorf Clearing-house in Aigen.
 

Langes Warten auf Bildungsplatz

SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser, SOS-Standortleiter Salzburg Wolfgang Arming, Landesrätin Martina Berthold und Waltraud Krassnig, Leiterin des Minerva Bildungsprogramms überreichten Modul- und Jahreszeugnisse sowie ÖSD-Sprachzertifikate an die stolzen Schülerinnen und Schüler.
 

Nicht nur über ihren Erfolg sind die jungen Menschen glücklich, sondern auch darüber, überhaupt einen der begehrten Bildungsplätze bekommen zu haben. Denn die Plätze bei Minerva sind gefragt und die Warteliste ist lang. "In diesem Jahr gab es 12 zusätzliche Plätze", freut sich Salzburgs Standortleiter Wolfgang Arming und sorgt sich gleichzeitig um das kommende Minerva-Jahr.
Das für die TeilnhmerInnen kostenlose Programm ist im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung akkreditiert und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie des Bundesministeriums für Bildung und Frauen und dem Land Salzburg gefördert. "Wir sind sehr dankbar, dass uns das Land im vergangenen Jahr die zusätzlichen Plätze finanziert hat. Für die nächste Runde fallen wir leider wieder auf 24 Plätze zurück", bedauert Arming und wünscht sich weitere Unterstützung seitens des Landes.

Bildung als Schlüssel zur Integration

Über 200 Mädchen und Buben konnten das Minerva Bildungsteam in den vergangenen acht Jahren auf dem Weg in ein erfolgreiches Leben in der neuen Heimat unterstützen. In drei aufeinander aufbauenden Modulen mit Vormittags- und Nachmittagsunterricht lernen die Schülerinnen und Schüler neben der deutschen Sprache auch jenes Grundwissen, das für den Einstieg in externe Pflichtschulabschluss-Lehrgänge, weiterführende Bildungsmaßnahmen oder den Einstieg in den Arbeitsmarkt erforderlich ist.

Auf dem Stundenplan stehen Mathematik, Geschichte, Geografie, Biologie, Englisch und Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Zusätzlich zu dieser Basisbildung lernen die jungen Menschen durch Projekte, Themen-Workshops, Exkursionen und fächerübergreifenden Unterricht die Kultur und Gesellschaft Österreichs kennen.

Erfolg durch individuelle Unterstützung

"Zu uns kommen junge Menschen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen", erklärt Minerva-Koordinatorin Waltraud Krassnig. "In vielen Fällen haben die Teilnehmer nur eine geringe Schulbildung in ihrem Heimatland erhalten. Deshalb fehlen oft Bildungsinhalte, die für einen Pflichtschulabschluss-Lehrgang, der zudem auch noch in einer für sie fremden Sprache abgehalten wird, nötig sind." So individuell wie die Voraussetzungen, welche die Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren mitbringen, ist bei Minerva auch die Lernmethodik. Sie wird an jeden Einzelnen angepasst.

Alle Schülerinnen und Schüler kommen freiwillig. 80 bis 90 Prozent der Minerva-Absolventen machen in der Bildungslaufbahn weiter. Unter ihnen gibt es einige, die wahre Erfolgsgeschichten schreiben. So wie Rulan, der kürzlich ein Stipendium für die HTL erhielt oder Hevy, die jetzt die Ausbildung zur pharmazeutisch-technischen Assistentin macht.

"Das Bildungsprojekt Minerva ist eine sehr gute Maßnahme zur Integration. Menschen, die zu uns geflüchtet sind, werden dabei inensiv beim Deutsch lernen unterstützt. Zusätzlich werden sie auf den Pflichtschulabschluss vorbereitet. Minerva reiht sich ein in die zahlreichen Basisbildungsangebote in Salzburg.", sagt Landesrätin Martina Berthold und bedankt sich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von SOS-Kinderdorf herzlich für deren Engagement.

Perspektiven geben – statt Chancen nehmen

"Deutschlernen allein ist keine Ausbildung" sagt auch SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser. "Junge Menschen brauchen Perspektiven. Sie sind in den meisten Fällen hochmotiviert, wollen lernen und sich integrieren. Haben sie dazu keine Chance, wird wertvolle Lebenszeit verschwendet. Nehmen wir jungen Menschen die Möglichkeit zu lernen und zu arbeiten, schauen wir einer verlorengegangenen Generation beim Großwerden zu", warnt Moser. Die Konsequenzen seien Perspektivlosigkeit, Depression, Kriminalität, Radikalisierung.
SOS-Kinderdorf begrüßt grundsätzlich das Vorhaben, zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche in Österreich zu schaffen, wie es mit dem neuen Gesetz zur Ausbildungspflicht bis 18 im Juli im Nationalrat beschlossen wurde. Wir kritisieren aber, dass asylwerbende Jugendliche dabei ausgeklammert bleiben. Dies stelle eine Verletzung der Kinderrechtskonvention dar, so Moser weiter. Denn jeder Minderjährige habe das Recht auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung – völlig unabhängig von seiner Herkunft. "Niederschwellige Bildungsangebote sind wichtiger denn je und ich wünsche mir, in zwei Jahren mit hoffentlich vielen Schülerinnen und Schülern das 10jährige Minerva-Jubiläum feiern zu können."

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