SOS-Kinderdorf Geschäftsführer Christian Moser, SOS-Kinderdorfleiter Standortleiter Salzburg Wolfgang Arming und Landesrätin Martina Berthold überreichten Modul- und Jahreszeugnisse sowie ÖSD-Sprachzertifikate an die stolzen Schülerinnen und Schüler.
3. November 2016

Mindestsicherung: SOS-Kinderdorf warnt vor zunehmender Kinderarmut

AlleinerzieherInnen und Mehrkindfamilien besonders gefährdet – Armut bedeutet für Kinder Ausgrenzung und Benachteiligung

Wer die Mindestsicherung kürzt, nimmt damit bewusst in Kauf, dass die Kinderarmut in Österreich zunehmen wird“, warnt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf in der aktuellen Debatte um die Bedarfsorientierte Mindestsicherung. Eine existenzsichernde finanzielle Unterstützung durch den Staat in schwierigen Lebenslagen sei eine entscheidende Grundvoraussetzung, um Armutsgefährdung von Familien zu vermeiden und aus der Armutsspirale auszubrechen. „SOS-Kinderdorf spricht sich daher ganz klar gegen eine Kürzung der Mindestsicherung aus“, so Moser. 

380.000 Kinder und Jugendliche armuts- und ausgrenzungsgefährdet

AlleinerzieherInnen stehen vor besonders großen Herausforderungen. „Es zeigt sich, dass Kinder, die in Armut auf-wachsen, in vielen Fällen auch benachteiligte Erwachsene werden“, erklärt Christian Moser.

Gerade AlleinerzieherInnen, Mehrkindfamilien ab drei Kindern sowie Familien mit Migrationshintergrund seien in höherem Ausmaß von Armut betroffen. „Bereits jetzt leben in Österreich rund 380.000 Kinder und Jugendliche in Haushalten, die als armuts- und ausgrenzungsgefährdet gelten“, erklärt Moser. Einsparungen bei der Mindestsicherung würden die Situation von Kindern und Jugendlichen eklatant verschärfen.

Ganz konkret bedeute das für diese Kinder und Jugendlichen, dass es für sie nicht möglich ist, vielen organisierten Freizeitaktivitäten nachzugehen, an Schulausflügen teilzunehmen oder zum Teil nicht einmal Freundinnen und Freunde zum Spielen oder Essen nach Hause einzuladen. „Die Folgen davon sind soziale Ausgrenzung und Benachteiligung“, betont Moser. „Diese Erfahrungen sind für Kinder demütigend und belastend.“ Es gehe dabei nicht um „Luxusprobleme“, sondern um Grundbedürfnisse und darum, Kindern das Mindeste zu sichern.

 

Risiko für Fremdunterbringung

SOS-Kinderdorf arbeitet als österreichweit tätige Kinder- und Jugendhilfsorganisation täglich mit Eltern, deren Kinder fremduntergebracht sind, zusammen. „Aus unserer Erfahrung zeigt sich, dass Armut in Kombination mit anderen familiären Krisen oft mit ein Grund für die Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen ist“, sagt Moser.

Im Sinne der Prävention von Fremdunterbringung sowie der Bemühungen um die Rückkehr von Kindern zu ihren leiblichen Eltern müsse eine angemessene finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand, die ein würdevolles Leben ermöglicht, in Form der Mindestsicherung zur Verfügung stehen.


"Mindestsicherung als letzte Absicherung"

„Ebenfalls warnen möchten wir vor einer Verschärfung der Situation junger Erwachsener durch die Kürzung der Mindestsicherung“, sagt Moser. In der Gruppe der Bezieher des Vollbetrags der Mindestsicherung finden sich vor allem junge Menschen, die bereits älter als 18 Jahre sind. „Jugendlichen die keine Ausbildung abgeschlossen und am Arbeitsmarkt Probleme haben und außerdem kein familiäres Auffangnetz haben, bleibt die Mindestsicherung als letzte Absicherung, um nicht auf der Straße zu stehen“, erklärt Moser die Situation.

Dies betreffe häufig auch Jugendliche, die mit dem 18. Geburtstag aus der Betreuung der Kinder- und Jugendhilfe fallen. SOS-Kinderdorf setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Unterstützungsleistungen bis zum 21. Lebensjahr verlängert werden. Kürze man diesen Menschen nun auch noch die Mindestsicherung, wird die oft bereits so schwierige Lebenslage noch weiter verschärft. Armutserfahrungen in der Kindheit und Jugend haben oft negative Auswirkungen auf das gesamte Leben. „Es zeigt sich, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, in vielen Fällen auch benachteiligte Erwachsene werden“, erklärt Moser. „Um diese Armutsspirale zu stoppen, brauchen wir in Österreich vorausschauendes Handeln.“

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