17. August 2016

Ist jeder junge Flüchtling wirklich ein gewaltbereiter Extremist?

Durch die jüngsten Anschläge in Europa hat sich viel verändert, plötzlich steht eine große Gruppe unter Generalverdacht. Wie Betroffene reagieren und wohin Ausgrenzung führt.

Viele Jugendliche mit Migrationshintergrund haben derzeit Angst davor, als Terrorist zu gelten. Andere bangen um die Angehörigen in Kriegsgebieten.

"Die Attentäter, das sind alles Verrückte“

Viele geflüchtete Jugendliche haben derzeit Angst davor, als Terrorist zu gelten.

Im Biwak in Hall leben unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge. Die meisten bringen einen Rucksack traumatischer Erfahrungen mit sich, Terror und Tod waren für sie alltäglich. Die Attentate der vergangenen Wochen finden sie "sehr, sehr schlimm". Dass sich die Menschen hier vor ihnen fürchten könnten, stimmt sie nachdenklich. "Manche denken, alle Flüchtlinge sind schlecht, speziell aber die Muslime", sagt ein 17-jähriger Syrer. Eine Bewohnerin des Biwaks (17) die aus Afghanistan geflüchtet ist wollte einmal in einem Café nach dem richtigen Weg fragen, doch so weit kam es dann gar nicht. "Bitte geh raus", hat eine Frau zweimal zu ihr gesagt. Später hat sie sich dafür entschuldigt, sie hatte Angst. Mit ihrer Angst ist sie aber nicht alleine, auch die 17-Jährige hat Angst – davor, in ihre Heimat abgeschoben zu werden.

Ein junger Flüchtling der in der SOS-Wohngemeinschaft in Osttirol lebt, traf den Nagel auf den Kopf: „Die Attentäter, das sind alles Verrückte.“ Für SOS-Kinderdorf-Leiter Guido Fuss sind Halt, Anerkennung, Sicherheit und Integration der beste Schutz. "Werden diese jungen Leute gut betreut, wird es für andere schwer, sie in gefährliche Organisationen hineinzuziehen."
 

"Je dunkler Haut und Haare, umso schlimmer ist es“

Die Angst vor weiteren Anschlägen, hat dazu geführt dass, männliche Flüchtlinge aber auch junge Männer mit Migrationshintergrund, die in Österreich geboren sind, unter Generalverdacht stehen. "Je dunkler Haut und Haare, umso schlimmer ist es", sagt der Bundesvorsitzende der Muslimischen Jugend in Österreich. Und genau hier liegt die Gefahr: "Je mehr sich junge Männer ausgegrenzt fühlen, umso eher radikalisieren sie sich. Das ist genau das, was der IS beabsichtigt. Und dagegen müssen wir etwas tun", so Šerifovic.

Vermehrt werden Jugendliche mit Migrationshintergrund als Flüchtlinge angesehen und mit den Worten: "Geh zurück wo du her bist" konfrontiert. Noch viel schlimmeres muss sich der 16 Jährige Sinan, dessen Eltern der türkischen Minderheit der Aleviten angehören, in der Schule anhören. Er wird anfänglich von seinem Lehrer und zuletzt auch von Mitschülern "der Terrorist" genannt. "Das ist natürlich Spaß", sagt er. Ganz so lustig scheint er es aber doch nicht zu finden: "Die Leute sollen wissen, dass das, was derzeit passiert, nichts mit dem Islam zu tun hat. Im Koran steht, du sollst nicht töten." Lesen Sie den ganzen Bericht in der Tiroler Tageszeitung.

Wir lassen Kinder nicht im Stich, egal woher sie kommen!

Wir geben ihnen, was sie zum guten Erwachsenwerden brauchen: stabile Beziehungen, gute Bildungschancen und die Möglichkeit, sich mit unserer Gesellschaft und unseren Werten zu identifizieren. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung: wir betreuen in Österreich 300 junge Flüchtlinge in kleinen Einheiten statt Großquartieren, mit PädagogInnen statt Security-Teams und mit umfassenden Bildungsangeboten. Das ist der beste Weg, jeder Form von Isolation und Radikalisierung vorzubeugen und den Frieden der Gesellschaft zu sichern.
 

Kinder auf der Flucht brauchen Hilfe!Mit Ihrer Spende können wir unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen eine kind- und jugendgerechte qualitätsvolle Betreuung in Österreich bieten, mit Fokus auf Integration.

 Jetztspenden!
 
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