11. August 2016 | Südsudan

Südsudan: "Alle flüchteten, um ihr Leben zu schützen"

SÜDSUDAN: Wegen heftiger Kämpfe musste am 11. Juli das behelfsmäßig errichtete SOS-Kinderdorf in Juba evakuiert werden. Das eigentliche SOS-Kinderdorf in Malakal mussten die Kinder, Mütter und Mitarbeiter vor knapp zwei Jahren verlassen. Alberto Fait, SOS-Kinderdorf Projekt-Koordinator im Südsudan, sprach mit uns über die Herausforderungen der kommenden Monate. Die Sicherheit der Kinder und Mitarbeiter steht dabei an erster Stelle.

Im Juli 2011 wurde der Südsudan zum 45. Staat des afrikanischen Kontinents. Andauernde politische Streitigkeiten führten im Dezember 2013 zu einer Krise und die Kämpfe brechen seither im ganzen Land immer wieder aus.
Seit zwei Jahren kommt der Südsudan nicht zur Ruhe. Was bedeuten die ständigen Kämpfe und Evakuierungen für die SOS-Kinderdorf Familien und Kinder?

Bereits 2014 war die Lage in Malakal dramatisch. Wir mussten das SOS-Kinderdorf verlassen, um unser Leben zu retten. Die KollegInnen waren unglaublich. Trotz der angespannten Situation haben sie alle in Sicherheit gebracht. Die SOS-Familien kamen nach Juba, um in einem Behelfsdorf zu wohnen. Die Kinder haben sich schnell angepasst und gingen wieder in der Schule. Es machte mich glücklich zu sehen, wie sich die Mütter um ihre Kinder kümmern, wie sauber das Dorf war und wie zufrieden die Kinder waren - eine angenehme Atmosphäre.

Doch dann kam der Juli 2016. Erneut mussten alle flüchten, um ihr Leben zu schützen. Urplötzlich musste alles zurückgelassen werden  - von den alltäglichen Dingen wie Matratzen oder Bettwäsche über Büroausstattung und Laptops bis hin zum Allerwichtigsten, unseren Lebensmitteln, aber auch persönliche Dinge, Spielzeug, Fotos, Bücher. Was zurückblieb würde geplündert. Das waren traumatische Erlebnisse für die die kleinen und großen Bewohner des SOS-Kinderdorfs. Kinder wie Mütter brauchen nun psychologische Betreuung, wir arbeiten mit lokalen NGOs zusammen, die hier Hilfe anbieten. 

Wie hat der letzte Konflikt die Arbeit von SOS-Kinderdorf im Südsudan beeinträchtigt?

Wir wollten unsere Aktivitäten weiter ausbauen. Der Start eines Familienstärkungsprogramms war geplant. Das liegt jetzt auf Eis. Im Moment ist das wichtigste, unsere Kinder sicher unterzubringen. Wir haben die Familien nach der Evakuierung in zwei temporäre Häuser verlegt. Sie lachen wieder. Das ermutigt unsere Mitarbeiter. Trotzdem sind wir sehr besorgt um die Stabilität des Landes. 
 
Alberto Vait mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Südsudan.

Wie viele Kinder leben hier in Juba?

Im Moment werden 86 Kinder und 44 Jugendliche von 10 Müttern, 9 Tanten und 16 Mitarbeitern versorgt. Sie sind in 2 Häusern untergebracht, die von SOS-Kinderdorf angemietet wurden, 24 Jugendliche leben in einem Internat.

Gibt es einen Spielplatz für die Kinder? Gehen sie zur Schule?

Wir dürfen einen Sportplatz in der Nähe nützen. Die Kinder gehen zur Schule. Die Jüngsten können eine Kindertagesstätte nicht mehr besuchen, weil die Gegend dort nicht sicher ist. Zu bestimmten Zeiten dürfen sie aber auch am Sportplatz spielen, wenn sie von ihren Tagesbetreuern begleitet werden. 

Welche kurzfristigen Notfallpläne gibt es im Hinblick auf die instabile Lage im Südsudan? 

Die 2 Häuser sollen vernünftig ausgestattet werden. Dafür haben wir von Matratzen bis hin zu Kochutensilien alle möglichen Dinge kaufen müssen. Unterstützung haben wir von UNICEF und der WHO (World Health Organization) bekommen. Mit dem eingelagerten Essen und Trinkwasser kommen wir zwei Wochen durch. Den Generator haben wir aus dem zerstören Dorf zu den Häusern gebracht. Darüber hinaus haben wir eine Apotheke eingerichtet und wollen auch eine weitere Krankenschwester anstellen, um sicher zu gehen, dass wir genügend medizinische Assistenz zu Verfügung haben. Ärzte ohne Grenzen unterstützt uns, wenn wir Hilfe benötigen.

Glauben Sie, die Familien können ins SOS-Kinderdorf zurückkehren?

Wir haben ein Team ins Dorf geschickt. Wenn die Lage sicher und stabil ist, müssen die Schäden am Dorf repariert werden. Wir hoffen zurückkehren zu können, sobald es die Situation erlaubt. 

UNICEF warnt vor erhöhten Cholera-Risiko im Südsudan. Wie schützen Sie die Familien? 

Die Mütter achten sehr darauf, die Häuser sauber zu halten. Hygiene wird hochgehalten und trotz der derzeitigen Situation nicht vernachlässigt. Wir achten auch darauf, dass unsere Kinder den bestmöglichen Impfschutz bekommen. 

Weiterführende Links

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