Interview mit SOS-Kollegin Abeer Pamuk aus Syrien
25. Jänner 2016

"Diese Kinder sehen die hässlichste Seite des Krieges"

Interview mit SOS-Kollegin Abeer Pamuk aus Syrien

Per Telefon konnten wir heute unsere SOS-Kollegin Abeer Pamuk in Damaskus erreichen. Mit fester Stimme und unbeeindruckt von den immer wiederkehrenden Verbindungsproblemen schildert Abeer die aktuelle Lage in ihrem Land:

Nach dem jüngsten Treffen mit dem Syrischen Roten Halbmond als wichtigsten Partner vor Ort, sei sie zuversichtlich, die ersten Kinder bald aus Madaya herauszubringen, um sie dann in zwei SOS-Nothilfecamps in Damaskus umfassend zu versorgen und zu betreuen.

Drei SOS-Nothilfecamps in Betrieb


Die SOS-Hilfe in Madaya, Kefraya und Foah und drei SOS-Nothilfecamps in Damaskus und Aleppo, die Kinder mit Bildung, Nahrung und einem sicheren Zuhause versorgen. 
„Wir betreiben drei solcher SOS-Camps, zwei in Damaskus und eines in Aleppo, das wir gerade erst im Jänner starteten. Insgesamt betreuen wir in diesen Camps rund 300 Kinder“, sagt Abeer. „In Damaskus haben wir derzeit Kapazitäten für die Aufnahme von 35 Kindern zusätzlich, und im neuen Camp in Aleppo könnten es mittelfristig bis zu 100 sein. Sobald die ersten am meisten gefährdeten Kinder identifiziert, ihr familiärer Hintergrund geklärt und das O.K. der Behörden da ist, starten wir – wir sind bereit!“
 
Angesichts der großen Zahl an Menschen, darunter so viele Kinder, die unvorstellbare Not leiden, mag der Blick auf Einzelschicksale vielfach verloren gehen. Doch genau das ist für Abeer Pamuk und ihre SOS-Kinderdorf Kollegen tägliche Kraftquelle und Motivation: „Es ist so schön zu sehen, dass Kinder, die so viel Leid erfahren haben, die das hässlichste Gesicht des Krieges mit Gewalt, Tod und Zerstörung gesehen haben, nach einigen Monaten in unseren SOS-Camps wieder zurück ins Kind sein finden – wenn sie wieder spielen und lachen, die Schule besuchen und verlorenes Vertrauen langsam wieder finden“.

Mit den Kräften am Ende


In Madaya sind 40.000 Menschen vom Hunger bedroht - besonders die Kinder leiden. Foto: SOS-Kinderdorf
Generell sind die Menschen in Syrien nach fünf Jahren Krieg müde und ausgelaugt, verzweifelt, vielfach physisch und psychisch am Ende ihrer Kräfte. Mit den schrecklichen Bildern und Erlebtem in Kopf und Seele bleibt oft nur die Hoffnung „Flucht“. Abeer Pamuk: „Für viele ist es gefährlicher in Syrien zu bleiben, als zu fliehen, auch wenn sie dabei nochmals ihr Leben riskieren. Daher ist die einzige Chance die Fluchtbewegungen zu stoppen, den Krieg und die Gewalt in Syrien zu stoppen!“
 
Auf die Frage, wie sie persönlich die Lage erlebt und was sie zum Bleiben und Helfen motiviert, schildert Abeer in beeindruckenden Worten: „Es ist mein Land, es sind meine Freunde, meine Wurzeln!“ Ich habe an der Universität in Aleppo studiert. Als der Krieg begann, flüchtete ich in den Libanon und blieb sechs Monate. Dann wurde die Universität zerstört, ich verlor viele meiner Freunde. Das war für mich der Moment zurückzukehren und etwas zu tun! Bei SOS-Kinderdorf kann ich das: Trotz aller Herausforderungen und Probleme, ist es auch erfüllend zu sehen, was ich bzw. wir als SOS-Kinderdorf für andere Menschen bewirken und zum Positiven verändern können.“ 


 Geben Sie Kindern in Syrien eine bessere Zukunft!Spenden Sie JETZT!

SOS-Kinderdorf hilft Kindern in Syrien

Die SOS-Nothilfe vor Ort hat bisher 88,500 Kinder – die meisten davon Binnenflüchtlinge – unterstützt.  5,700 Lebensmittelpakete, 16,000 Schultaschen, 50,000 Decken und 65,000 Winterjacken wurden bisher verteilt. 3000 Kinder konnten an Freizeitaktivitäten teilnehmen, 300 haben psycho-soziale Hilfe erhalten.

Ihre Spende wirkt!

/* pageName= "Diese Kinder sehen die hässlichste Seite des Krieges" pagePrefix= breadCrumb=Aktuelles / archiv 2016 / "Diese Kinder sehen die hässlichste Seite des Krieges" mainDomain=sos-kinderdorf.at langIdentifier=AT,de */