"Schau, das ist meine zweite Heimat!"

50 geflüchtete Jugendliche leben in Wohngruppen von SOS-Kinderdorf in Wien. Bei einem Fotoworkshop haben sie Wien erkundet und ihre Eindrücke mit Fotos festgehalten.

Seit fast einem Jahr leben rund 50 Jugendliche, die alleine nach Österreich geflüchtet sind in mehreren Wohngruppen bei SOS-Kinderdorf in Wien. Im vergangenen Herbst hatte eine Gruppe von ihnen die Möglichkeit, ihre neue Heimat, ihre neue Stadt Wien auf eine besondere Art und Weise kennenzulernen. Gemeinsam mit dem Münchner Fotograf Max Kratzer machten sie sich im Rahmen eines dreitägigen Fotoworkshops der Kulturinitiative von SOS-Kinderdorf ubuntu auf den Weg durch Wien, erkundeten ihre zweite Heimat und hielten ihre Eindrücke mit der Kamera fest. Am 24. Jänner 2017 wurden nun die Ergebnisse im Rahmen einer Vernissage präsentiert.

Der Weg durch die Stadt hat die Jugendlichen in den Wiener Prater geführt. Fotografiert wurde dort nicht nur im grünen Naherholungsgebiet der Wiener, sondern auch am Praterstern. „Diesen Schauplatz mit zeitgeschichtlichem Aspekt haben wir ganz bewusst für unser Sozialfotografie-Projekt ausgesucht“, erklärt Stefan Wallner, Sozialpädagoge bei SOS-Kinderdorf und Hobbyfotograf, der den Fotoworkshop mitorganisiert hat. Die Übungen im Workshop dienten dazu, die Umgebung aber auch sich selbst kennen zu lernen, respektvoll wahrzunehmen und darüber zu reflektieren.
 

Fest verankert

Die Partner, Freunde, Nachbarn und SOS-Kinderdorf-Kollegen, die für die Präsentation der Fotografien in der WG Hetzendorf zu Gast waren, konnten bereits am Weg zum Ausstellungsraum erste Ergebnisse des Projekts bestaunen. Denn eine Auswahl der besten Fotografien ist und bleibt auch in Zukunft groß auf Platten aufgezogen fix an den Wänden verankert als Gestaltungselemente in den Gängen und Räumlichkeiten des neuen SOS-Kinderdorfhauses in Hetzendorf. „Jetzt sind wir bald seit einem Jahr in diesem neuen Haus“, erzählt SOS-Kinderdorf-Leiter Dieter Schrattenholzer. „Wir haben uns in den letzten Monaten gut eingelebt. Es ist toll, dass wir unser neues Zuhause nun gemeinsam mit unseren Jugendlichen gestalten konnten.“
 

Fotografieren mit einem Schuhkarton

Bunte Farben und lächelnde Gesichter leuchten aus den meisten Fotografien. An einer Pinnwand im Ausstellungsraum gibt es auch Schwarzweißfotografien, die auf den ersten Blick, wie aus einer anderen Zeit wirken. Auch diese Fotos wurden von den Jugendlichen gemacht mit einer Lochkamera aus einem Schuhkarton in einem weiteren Workshop im Jänner 2017.

Wie macht man aus einem Schuhkarton eine Kamera? Eine Frage, auf die die Jugendlichen eine recht einfache Antwort haben: „Auf einer Seite wird ein Loch ausgeschnitten, mit Alufolie beklebt und dann ein ganz kleines Loch in die Folie gemacht. Außerdem braucht man ein Stück Karton, das man vor die Öffnung schieben kann.“ Bevor es dann mit dem Fotografieren losgehen kann, muss noch in der Dunkelkammer auf der Innenseite des Kartons ein Fotopapier angebracht werden. „Weil wir keine richtige Dunkelkammer hatten, haben wir einfach die WG-Küche umfunktioniert“, erzählt Johanna Kellermann vom Kunstverein Ipsum, die mit den Jugendlichen den Lochkameraworkshop gemacht hat. Ganz egal ob Schuhkarton oder professionelle Kamera, die Ergebnisse sind sehenswert.

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