Rat auf Draht – 28.10.19

Allerheiligen: Trauernde Kinder begleiten

Allerheiligen ist die Zeit des Gedenkens an Verstorbene. Wie spricht man mit Kindern über Verlust und Tod?

Tut tot sein weh? Ist Mama im Himmel? Kommt Papa wieder? Trauer hat für Kinder viele Facetten und wirft viele Fragen auf. "Wenn es einen Trauerfall in der Familie gibt, fällt es vielen Eltern schwer, mit ihren Kindern darüber zu sprechen", weiß Birgit Satke, Leiterin der Helpline Rat auf Draht. "Manche empfinden eine starke Unsicherheit, wie sie ihren Kindern in dieser Situation am besten helfen können." Gerade bei Kindern gibt es verschiedenste Situationen, die Trauergefühle auslösen. Neben dem Verlust eines geliebten Menschen kann es auch der Abschied vom Kindergarten, ein Umzug, die Trennung von einem Freund oder ein verlorenes Kuscheltier sein.

 

Je früher Kinder lernen, mit Gefühlen von Trauer und Schmerz umzugehen, desto besser kommen sie auch mit den kleinen und großen Abschieden im Leben zurecht.

Birgit Satke
Leiterin Rat auf Draht


Kindliche Trauer ist oft sprunghaft und wird von Erwachsenen daher manchmal nicht richtig verstanden. „Kinder können in einem Moment sehr traurig sein und im nächsten wieder ganz fröhlich. Manche Kinder sind aggressiver, wütender, reizbarer als sonst – andere spielen mehr, sind anhänglicher oder ziehen sich zurück. All das sind völlig normale Reaktionen bei der Verarbeitung von Trauer.“

Wichtig ist, den Fragen des Kindes zuzuhören und diese geduldig zu beantworten. „Kinder wollen dabei keine neuen Antworten hören, sondern sind mit den alten zufrieden", sagt Satke.
Neben der eigenen Trauer müssen Kinder auch lernen, mit der Trauer ihrer Bezugspersonen umzugehen. Die Eltern weinen zu sehen ist für viele Kinder ungewohnt und vielleicht erschreckend. Daher ist es in dieser Situation wichtig zu vermitteln, dass Trauern und Weinen ganz normal sind und dazugehören. Die KollegInnen von Rat auf Draht empfehlen: „Seien Sie ehrlich zu Ihrem Kind und erklären Sie ihm, was passiert ist. Vermitteln Sie Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit. Bewahren und fördern Sie die alltäglichen Rituale und signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es jederzeit kommen kann, wenn es etwas erzählen möchte.“
 

Starke Partner in schweren Zeiten

Wie häufig Kinder und Jugendliche vom Thema Trauer betroffen sind, zeigt die Statistik: In Österreich gibt es derzeit rund 2.600 Halbwaisen und Waisen im Alter von 0 bis 18 Jahren. Dazu kommen jene Kinder, die um andere nahe Angehörige oder Bezugspersonen trauern. Diesen betroffenen jungen Menschen muss professionell geholfen werden, um mögliche Beeinträchtigungen in ihrem weiteren Leben zu verhindern.

SOS-Kinderdorf unterstützt individuell: Im Burgenland und in Kärnten begleitet RAINBOWS betroffene Kinder und ihre Familie mit langjähriger Expertise in Sachen Trauer und Schmerz. Das SOS-Krisenteam im Burgenland hilft Menschen in plötzlich auftretenden Notsituationen und bietet Kindern und Familien Stabilisierung in Krisenzeiten.
 

Weiterführende Information: 

Weitere Artikel