Petra

Petra Spencer macht ihre Arbeit sichtlich Spaß. Sie ist Gruppenleiterin in einer Werkstätte der „Pfennigparade“, wo sie 15 Menschen mit geistiger als auch körperlicher Beeinträchtigung leitet. Die Arbeit ist für die heute 59-jährige eine Berufung, wie sie selbst sagt. „Wie ein Sechser im Lotto war es, in einer Kinderdorffamilie aufgewachsen zu sein.“

Ihre leibliche Mutter hat Petra nie kennengelernt. Kurz nach der Entbindung hatte sie das Baby im Krankenhaus zurückgelassen. Der Vater: unbekannt. Zunächst wird sie in ein Säuglingsheim nach Stuttgart gebracht. Als man herausfindet, dass es einen leiblichen Bruder gibt, kommt Petra mit zwei Jahren zu ihm in die SOS-Familie, um kurz darauf mit ihrer "neuen Mutti" in den Norden in das SOS-Kinderdorf Harksheide umzusiedeln.

Das Werken, der Musikunterricht, die Ferienfahrten und vor allem der Sport geben ihr viel Freiheit. Wenn auch das Leben als SOS-Kind nicht immer leicht ist. Schon früh wird ihr bewusst, dass irgendetwas anders ist. In der Schule bekam man schnell den Stempel "Heimkind" aufgedrückt und wurde ausgegrenzt. Aber das Wissen um eine feste Bezugsperson und der Zusammenhalt unter den SOS-Kindern machen es einfacher. "Mutti hat uns immer das Gefühl gegeben, dass wir willkommen sind – und geliebt."

Nach dem Hauptschulabschluss macht sie eine dreijährige Ausbildung zur Bandagistin, in der sie ihr handwerkliches und künstlerisches Geschick entdeckt. Nach dem Auszug aus dem Kinderdorf mit 18 lebt sie in Hamburg und arbeitet in ihrem erlernten Beruf. Doch erst 2008, nach einer Ausbildung als Heilerziehungspflegerin, findet sie in der Werkstatt Pfennigparade ihre berufliche Erfüllung, kann Menschen das Gefühl des Wertvollseins, der Anerkennung und des Dazugehörens in der Gesellschaft vermitteln.

Der Kontakt zu den Geschwistern und ihrer Kinderdorfmutter bricht nie ab. Man telefoniert, schreibt sich Briefe und besucht sich. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit findet dann das Treffen in großer Runde statt.

Heute ist Petra Spencer einfach nur dankbar: "Das Kinderdorf hat aus mir gemacht, was ich heute bin und die Basis geschaffen, mein Leben trotz der schwierigen und schmerzhaften Phasen zu meistern. Und das will ich weitergeben".