Karl

Karl Moser, Jahrgang 1946, kam als 11-jähriger ins SOS-Kinderdorf Imst und erzählt uns aus seiner Zeit im SOS-Kinderdorf, seine Jugendstreiche und was ihm die SOS-Kinderdörfer bedeuten.

Herr Moser, vor über 60 Jahren kamen Sie ins SOS-Kinderdorf: Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag?
Mit einem mulmigen Gefühl begann der Tag mit der Verabschiedung von meinem Bruder Herbert, der noch einige Monate bei unserer Tante blieb. Sie hatte uns nach dem Tod unserer Eltern für eine kurze Zeit bei sich aufgenommen. Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes brachte mich nach Imst in das SOS-Kinderdorf. Wir wurden von der SOS-Kinderdorfmutter und den Kindern aus dem Haus Weihnachten herzlich begrüßt. Roland, der Älteste, nahm mich unter seine Fittiche. Er hat mir meine neuen Geschwister vorgestellt, unser Haus gezeigt und den Hausbrauch erklärt. Da war mir dann schon leichter ums Herz.

Verraten Sie uns ein paar Streiche aus Ihren Kindertagen?
Wir hatten viele Freiheiten und lebten wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Am liebsten spielten wir Indianer. Einmal haben wir auch unsere "Brandpfeile"getestet. Wir waren begeistert von den schönen Rauchbögen, als wir sie brennend hoch über den Abhang in Richtung Dorfmitte geschossen haben. Allerdings hatte das Hausarrest, die schlimmste aller Strafen für uns, zur Folge.

Welchen Einfluss hatte das Kinderdorf auf Ihr Leben?
Wir sind im SOS-Kinderdorf in Geborgenheit aufgewachsen und haben die gleichen Chancen zum Start ins Leben wie Kinder aus normalen Familien bekommen. Nach dem Abschluss meiner Ausbildung und dem Einstieg als Mitarbeiter in die SOS-Kinderdorf Organisation haben meine Frau und ich geheiratet. In zwei Jahren feiern wir die Goldene Hochzeit. Unsere zwei Söhne sind schon lange selbst Familienväter. Fünf Enkel machen uns große Freude und halten auch uns uns in Schwung.

Sie haben selbst für SOS-Kinderdorf gearbeitet. Was würde Hermann Gmeiner sagen, wenn er sähe, was aus seiner Idee heute geworden ist?
Hermann Gmeiner habe ich in den vielen Jahren als charismatischen Visionär aber auch Realisten erlebt. Er würde auch heute nicht müde werden, das SOS-Kinderdorf als Kern für die familiennahe längerfristige Unterbringung für Kinder in Not zu sehen. Die Ausweitung der Hilfsangebote zur präventiven Unterstützung für Familien in der Krise und jungen Menschen in schwierigen Lebenssituationen hätte er auch besonders gefördert.