30 Jahre Kinderrechte – 12.11.19

Täglich werden Kinderrechte verletzt – auch in Österreich

Die UN-Kinderrechtskonvention feiert 30-jähriges Bestehen – in der Umsetzung ist Österreich säumig.

"Kinder und Jugendliche wissen, was sie wollen. Das zeigen sie uns aktuell etwa anhand der Fridays-For-Future Demonstrationen. Sie sind Persönlichkeiten mit eigenen Meinungen, Wünschen und Bedürfnissen. Sie zu fördern, zu schützen und zu unterstützen ist Aufgabe von uns allen. So steht es in der UN-Kinderrechtskonvention, die vor 30 Jahren unterschrieben wurde", sagt Christian Moser, Geschäftsführer von SOS-Kinderdorf.


Das Schlagwort Kinderrechte darf keine leere Worthülse bleiben. Es liegt an uns, den Kindern und Jugendlichen wirklich zuzuhören und aus ihren Forderungen auch konkrete politische Handlungen abzuleiten.

Christian Moser
Geschäftsführer SOS-Kinderdorf

Rund um den 30. Geburtstag der Kinderrechtskonvention gibt es von Seiten der Politik viele Versprechungen und Willensbekundungen. Wir fordern von der zukünftigen Regierung die entsprechenden Taten. Es bedarf dringend einer umfassenden Bestandsaufnahme zur bisherigen Umsetzung der Kinderrechte in Österreich und entsprechende Nachbesserungen bei den Versäumnissen.

Als Kinderrechtsorganisation wissen wir von den Baustellen, an denen es aus kinderrechtlicher Sicht noch zu arbeiten gilt:

Chancengleichheit für alle Kinder

Ein Beispiel: Jedes Kind hat die gleichen Rechte, unabhängig davon, wo es geboren ist und wer seine Eltern sind – so sehen es die Kinderrechte vor. In der Realität sieht das allerdings anders aus. Sozialer Status und Bildungschancen sind in Österreich nach wie vor eine Frage der Herkunft. 370.000 Kinder und Jugendliche in Österreich gelten als armutsgefährdet – sie sind häufiger einem ungesunden Wohnumfeld mit Lärm, schimmelnden Wänden oder Feinstaub ausgesetzt, können sich keine Nachhilfe leisten oder haben kein Geld für Kino oder den Sportverein. Nur 15 % von ihnen schaffen den gesellschaftlichen Aufstieg und damit den Ausweg aus der vererbten Armutsspirale. Und auch im Flüchtlingsbereich gibt es dringenden Handlungsbedarf. Asylwerbende Kinder und Jugendliche sind einer Vielzahl von Diskriminierungen ausgesetzt – etwa im Bereich Schule und Ausbildung, Betreuung und in der Gesundheitsversorgung.

Gewaltschutz und Psychosoziale Betreuung

Auch beim Thema Gewalt gibt es Handlungsbedarf: Während physische Gewalt in der Erziehung in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen ist, steigt psychische Gewalt gegenüber Kindern an – ausgelöst etwa durch Überforderung oder Unwissen über die Auswirkungen. Alarmierend hoch ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die sexualisierter Gewalt im Internet ausgesetzt sind. Laut einer Studie ist fast jedes dritte Kind betroffen. Hier muss dringend gegengesteuert werden - sowohl was die Strafverfolgung der Täter betrifft als auch bei der Prävention. Für Kinder, die psychosoziale Betreuung benötigen, gibt es oft zu wenig Angebote: Therapieplätze sind rar – insbesondere auf Krankenschein. Ein flächendeckender Ausbau therapeutischer Angebote ist dringend notwendig!

Interessen berücksichtigen

Kinder und Jugendliche müssen mehr in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Ob Sozialhilfe NEU, die Kompetenzverschiebungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe oder die Lockerungen beim Umweltschutz im Zusammenhang mit Bewilligungsverfahren - nirgends wurde die Auswirkung auf Kinder und Jugendliche erkannt und berücksichtigt. SOS-Kinderdorf schlägt deshalb einen Jugend-Check Neu für alle Gesetzesvorschläge der Regierung vor: Jeder Entwurf soll von einer unabhängigen Stelle hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Kinder geprüft werden.

Bundespräsident unterstützt kinderrechtliche Anliegen

Bundespräsident Alexander Van der Bellen weist anlässlich des 30. Geburtstages der Kinderrechte ebenfalls auf deren Wichtigkeit hin. Dabei soll das Feiern nicht zu kurz kommen. Am 15. November lädt er 30 Kinder, die bei SOS-Kinderdorf aufwachsen, zur Pyjamaparty in die Hofburg ein. Denn Recht haben ist Kindersache.

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