Syrien - 6 Jahre Krieg und Terror

Lokalaugenschein von SOS-Kinderdorf in Damaskus und Aleppo

Nothilfechef von SOS-Kinderdorf International ist am Wochenende aus Syrien zurückgekehrt. Andreas Papp hat Hilfsprojekte in Aleppo und Damaskus besucht und schildert seine Eindrücke.

"Das was Kinder in Aleppo an schrecklichen Bildern und Leid gesehen haben, ist unvorstellbar. Die Last an traumatischen Erfahrungen, die schwer auf ihren Seelen lastet, braucht als Entlastung dringend psychologische Hilfe", sagt Andreas Papp und ergänzt: "Auch als Prävention, um die traumatisierten Kinder durch kindgerechte Spiel-, Freizeit und Lernangebote vor den Gefahren der Straße durch Ausbeutung, Kinderarbeit oder Missbrauch zu schützen!"

 
 

 

Neben Basisversorgung brauchen Kinder besondere Spiel, Schutz- und Lernräume

Andreas Papp war zwei Tage in Aleppo und hat die Großküche am Stadtrand besucht, wo im Rahmen der SOS-Nothilfe täglich bis zu 18.000 warme Mahlzeiten zubereitet und monatlich rund 15.000 Fruchtpakete verteilt werden. Zudem kümmern sich zwei Ärzte und eine Gynäkologin um die medizinische Versorgung der Menschen. "Als wichtiges Angebot für Kinder haben wir im Umfeld der Großküche und Lagerräume auch "Child Friendly Spaces" geschaffen, Räume, wo sie spielen, malen, musizieren, Sport betreiben können – und damit ihren Stress und ihre psychischen Belastungen abbauen und einfach wieder Kind sein können."

Papp war auch im Ostteil von Aleppo: "Dort versorgen wir mit 16 Tanks jeden Tag rund 8.000 Menschen mit sauberem Trinkwasser. Und ich habe mir mit den SOS-Leuten vor Ort eine schwer beschädigte Schule angeschaut, die SOS-Kinderdorf wieder aufbauen möchte, um Kindern neben der psychischen Betreuung Zugang zu schulischer Bildung zu ermöglichen – und damit Perspektiven für eine hoffnungsvolle Zukunft. In Damaskus hat Papp zwei "Interim care Centers" (Übergansunterkünfte und Schutzzentren für Kinder) besucht, in denen 230 Kinder, die ihre Eltern verloren und keine Angehörigen mehr haben, intensiv betreut und begleitet werden - wie in Aleppo umfassend inkl. psychologischer Hilfe und schulischem Unterricht. Ähnliche Programme baut SOS-Kinderdorf gerade in der Küstenstadt Tartous weiter aus.
   
 

Neues SOS-Kinderdorf in Damaskus

Als langfristiges Angebot startet SOS-Kinderdorf in der Hauptstadt ein zweites SOS-Kinderdorf. Es entsteht in einer ursprünglich als private Ferienanlage geplanten, aber nie in Betrieb gegangenem Objekt mit guter Infrastruktur an Gebäuden sowie Grün- und Spielflächen. Nach letzten Adaptierungsarbeiten sollen noch im Frühjahr die ersten SOS-Kinderdorf-Familien mit den Kindern dort einziehen.

SOS-Kinderdorf ist seit über drei Jahrzehnten in Syrien tätig und konnte dank guter Infrastruktur und vieler engagierter heimischer MitarbeiterInnen rasch mit Nothilfemaßnahmen beginnen. Haupteinsatzgebiete waren und sind das schwer umkämpfte Aleppo, die Hauptstadt Damaskus und die Küstenstadt Tartous. SOS-Kinderdorf war lange vor dem Krieg im Land tätig und wird auch in Zukunft mit nachhaltigen Projekten und Programmen für Not leidende Kinder und Familien im Land bleiben!
 

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Leise Hilfe für verletzte Kinderseelen
Ein Häuschen, Blumen, Ruhe - Die Wünsche, die Kinder in den Child Friendly Spaces malen sind bescheiden.


Aleppo im März 2011: Saida ist in nervöser Vorfreude - hochschwanger und glücklich. In drei Wochen ist der langersehnte Geburtstermin. Das Baby, von seinen Eltern erhofft und gewünscht, wird es gut haben im Leben. Der Vater, ein engagierter Chirurg, die Mutter eine moderne, junge Frau, die Familie gut situiert, ein schönes Haus am Stadtrand, Garten, Freunde, Großeltern die sehnlichst auf ihr erstes Enkelkind warten. Wird es ein Bub oder ein Mädchen? Völlig egal. Der Kinderwagen steht bereits im Flur. Jeden Tag wollen die jungen Eltern jetzt spazieren gehen, die Parks und Spielplätze ihrer Kindheit besuchen, in Straßen-Cafes mit Freunden Babygeschichtgen austauschen, ihr junges Familienglück genießen. Die besten Voraussetzungen, um ihrem Kind alles zu bieten was es benötigt für sein Erwachsenwerden.

Doch wenige Tage vor der Geburt bricht in Aleppo der Krieg aus. Saidas Tochter Ranja wurde im Krieg geboren, Ranja kennt nur den Krieg, der Krieg ist ihr Leben. All das Schreckliche, vor dem sie ihre Eltern bewahren wollten, ist über das Mädchen hereingebrochen. Die Erlebnisse haben ihre kleine Seele für immer verwundet und werden sie ein Leben lang verfolgen, auch wenn Ranja das heute noch nicht weiß. Eine geraubte Kindheit, - Schocks, Terror, Elend und Leid haben ihr junges Leben und das vieler Kinder in Syrien geprägt.

Und doch gibt es Hoffnung! In einem Child Friendly Space am Stadtrand von Aleppo hört man Ranja bei einem Zeichentrickfilm vor Freude quietschen oder beim Malen ein Lied von der Farbe Rosarot trällern. Ihr Lachen, ihre Fröhlichkeit, die dieser Hort für ein paar Stunden ermöglicht, ist das größte Geschenk für Mutter Saida und auch für die Mitarbeiterinnen von SOS-Kinderdorf. Auf die Frage, was sie in den letzten sechs Jahren in einem zerbombten Aleppo alles erreicht haben, neben all der Nothilfe mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und warmen Decken, kommt vor allem auch diese Antwort: "Wir konnten der kleinen Ranja und weiteren 4.300 Kindern täglich ein Stück geraubter Kindheit zurückgeben, eine Hilfe, die leise ist, aber die lange in den Seelen dieser Kinder nachwirkt."


Der Foto-Essay veranschaulicht die humanitäre Hilfe, die SOS-Kinderdorf für Kinder und Familien in über 5 Jahren in Syrien geleistet hat.


 
 

Fragen und Antworten zur SOS-Hilfe in Syrien

 

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