SOS-Kinderdorf Phnom Penh



 

SOS-Kinderdorf nahm 1999 erste Verhandlungen mit der Regierung von Kambodscha auf, und im Jahr 2000 wurde der kambodschanische SOS-Kinderdorf-Verein gegr√ľndet. Zu Beginn unserer T√§tigkeit begann sich das Land gerade von den jahrzehntelangen Konflikten zu erholen, unter denen die Bewohner von Kambodscha gelitten hatten.

Zunehmende soziale Ungleichheit

 

Spielende Kinder im Garten des SOS-Kinderdorfes (Foto: A. Halbhuber)Phnom Penh ist die Hauptstadt von Kambodscha, hat gesch√§tzte 2,2 Millionen Einwohner und liegt im zentralen S√ľden des Landes. Als Wirtschaftszentrum z√§hlt Phnom Penh zu den reichsten St√§dten Kambodschas, aber der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt. St√§dtische Armut, Mangelern√§hrung und Arbeitslosigkeit sind im Anstieg begriffen.

Das Leben auf dem Land ist in Kambodscha sehr hart. Zahlreiche Menschen ziehen auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die St√§dte. Aber die Tr√§ume der Migranten gehen nur selten in Erf√ľllung. Im Zuge des Wirtschaftswachstums sind die Lebenshaltungskosten, vor allem die Wohnkosten, stark gestiegen. Gesch√§tzte 20 Prozent der Stadtbev√∂lkerung leben in informellen Siedlungen.

Frauen und Kinder leiden besonders unter den prek√§ren sozialen und wirtschaftlichen Verh√§ltnissen. Viele Frauen m√ľssen ihre Familien alleine versorgen, obwohl sie meist fr√ľh die Schule abgebrochen haben und ohne Bildung nur schwer eine Arbeit finden k√∂nnen. Viele Zuwanderer aus den l√§ndlichen Gebieten betteln oder verkaufen Kleinwaren auf der Stra√üe. Andere werden zu kommerzieller Sexarbeit gezwungen. Zahlreiche Kinder erhalten keine Bildung, weil sich ihre Eltern den Schulbesuch nicht leisten k√∂nnen. Stattdessen m√ľssen sie auf der Stra√üe betteln oder Kleinwaren verkaufen, um zum Familieneinkommen beizutragen. Wenn Familien an der sozialen und wirtschaftlichen Not zerbrechen, bleiben die Kinder ohne elterliche F√ľrsorge zur√ľck. Die Zahl der Stra√üenkinder ist in j√ľngster Zeit gestiegen. Sie sind von Gewalt und Ausbeutung bedroht, und viele sind bereits in jungen Jahren drogenabh√§ngig.

 

Bedarfsgerechte Unterst√ľtzung f√ľr Familien

Das SOS-Kinderdorf Phnom Penh liegt am Rande der historischen Altstadt im Vorort New Phnom Penh. Die Kinder in unserer Obhut k√∂nnen aus verschiedenen Gr√ľnden nicht bei ihren Familien aufwachsen. Manche Kinder haben durch Krankheit oder bewaffnete Konflikte ein oder beide Elternteile verloren. In anderen F√§llen k√∂nnen Eltern die emotionalen und materiellen Bed√ľrfnisse ihrer Kinder nicht ausreichend befriedigen. Zahlreiche Kinder, die zu uns kommen, leiden an Vitaminmangel und Hautkrankheiten. Sie erhalten nicht nur Nahrung und Impfungen, sondern auch eine liebevolle Betreuung. Kinder, die nie oder nur kurze Zeit eine Schule besucht haben, werden auf ihre Eingliederung in das √∂ffentliche Bildungssystem vorbereitet.

Unsere Arbeit in Phnom Penh

 

Junge M√§nner werden auf ein Leben in Selbst√§ndigkeit vorbereitet (Foto: A. Halbhuber)SOS-Kinderdorf bietet in Phnom Penh verschiedene Unterst√ľtzungsangebote. Neben der familiennahen Betreuung leiten wir einen Kindergarten, eine Schule und ein Jugendprogramm. Alle Programme sind auf die Bed√ľrfnisse der lokalen Bev√∂lkerung zugeschnitten. Das Angebot der Tagesbetreuung und die Bildungsprogramme werden von der Gemeinde besonders gesch√§tzt. Kinder aus armen Familien erhalten Stipendien, damit sie eine Schule besuchen k√∂nnen.

Kinder aus der Region, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in 13 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut. Die Kinder aus den SOS-Familien besuchen den SOS-Kindergarten zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Das Angebot der Tagesbetreuung wird besonders von erwerbst√§tigen Eltern gesch√§tzt - sie m√ľssen ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt zur√ľcklassen, w√§hrend sie ihren Lebensunterhalt verdienen.

√Ąltere Kinder werden in der √∂rtlichen Grundschule unterrichtet, die von SOS-Kinderdorf errichtet und anf√§nglich auch geleitet worden war und mittlerweile von den lokalen Beh√∂rden verwaltet wird. 2010 wurde die SOS-Hermann-Gmeiner-Sekundarschule er√∂ffnet, und bis 480 Sch√ľlern k√∂nnen hier ausgebildet werden. Beide Schulen bieten den Kindern eine solide Bildung und helfen ihnen ein Teil von der Gemeinschaft zu werden.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen, können in das SOS-Jugendprogramm wechseln und werden von qualifizierten Fachkräften durch diese neue Lebensphase begleitet, in der sie eine Berufsausbildung beginnen oder ein Studium aufnehmen. Sie werden ermutigt, Zukunftsperspektiven zu entwickeln, lernen Verantwortung zu tragen und zunehmend eigene Entscheidungen zu treffen.

In Phnom Penh wird zur Zeit ein SOS-Schulungszentrum errichtet, in dem angehende SOS-M√ľtter und MitarbeiterInnen f√ľr die Arbeit mit den Kindern in unserer Obhut ausgebildet werden. 

 

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