SOS-Kinderdörfer in Indien

SOS-Kinderdorf ist seit 1963 in Indien t√§tig, nachdem ein Treffen zwischen Hermann Gmeiner und dem damaligen indischen Premierminister Pandit Jawahar Lal Nehru die Aufnahme der Aktivit√§ten besiegelte. Seit den 60er Jahren ist SOS-Kinderdorf in Indien stetig gewachsen. In Krisenzeiten hat unsere Organisation Nothilfeprogramme ins Leben gerufen. H√§ufig wurden daraus langfristige Programme zur Unterst√ľtzung der lokalen Bev√∂lkerung.

SOS-Kinderdorf unterst√ľtzt Kinder, so dass sie einer besseren Zukunft entgegensehen k√∂nnen (Foto: C. Ashleigh).
SOS-Kinderdorf unterst√ľtzt Kinder, so dass sie einer besseren Zukunft entgegensehen k√∂nnen (Foto: C. Ashleigh).

Die Republik Indien (ein Mitglied des "Commonwealth of Nations") grenzt im Norden an Afghanistan, Tibet, China, Nepal und Bhutan, im Westen an Pakistan und das Arabische Meer, im S√ľden an den Golf von Mannar und den Indischen Ozean sowie im Osten an Myanmar (das fr√ľhere Burma), Bangladesch und den Golf von Bengalen.

Indien ist das siebtgr√∂√üte Land der Welt und das Land mit der weltweit zweith√∂chsten Bev√∂lkerungsdichte. Die Bev√∂lkerung bel√§uft sich auf √ľber 1,2 Milliarden (Juli 2011, Sch√§tzung), die Hauptstadt Neu Delhi hat 21,7 Millionen Einwohner. Indien ist ein riesiges, vielschichtiges Land mit vielen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Religionen.

Eine wachsende Wirtschaft, die vor viele Herausforderungen gestellt ist

Im Lauf der letzten Jahrzehnte hat sich Indien zu einer zunehmend bedeutenden Wirtschaftsmacht entwickelt. Seit Beginn der wirtschaftlichen Liberalisierung in den 90er Jahren hat Indien Erstaunliches geleistet - seit 1997 liegt das durchschnittliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei √ľber sieben Prozent. Im Jahr 2010 ist das BIP mit √ľber zehn Prozent sogar noch st√§rker gewachsen. In Indien gibt es eine Mischwirtschaft - mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung ist in der Landwirtschaft besch√§ftigt, ca. 14 Prozent in der Industrie und 34 Prozent im Dienstleistungssektor.
W√§hrend des letzten Jahrzehnts konnten in Indien die Stundenl√∂hne auf das Zweifache erh√∂ht werden, und die Zahl der Menschen, die heute √ľber der staatlich festgelegten Armutsgrenze leben, ist gestiegen. Dennoch haben nicht alle Menschen vom Wirtschaftswachstum profitiert; ein Viertel der Bev√∂lkerung lebt weiterhin in Armut.

Die Armut ist in Indien weit verbreitet, am h√§rtesten sind jedoch die l√§ndlichen Gebiete und die Elendsviertel der Gro√üst√§dte betroffen. Die l√§ndlichen Gebiete leiden auch unter einer schlechten Infrastruktur - beispielsweise haben nur 84 Prozent der Bev√∂lkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, und nur 21 Prozent Zugang zu ordentlichen sanit√§ren Anlagen. Obwohl ca. 70 Prozent der Einwohner in l√§ndlichen Regionen leben, nimmt die Zahl der Menschen, die auf der Suche nach Arbeit in die St√§dte ziehen m√ľssen, stetig zu.

Neben der Armut muss Indien noch viele andere Probleme bew√§ltigen; dazu z√§hlen die √úberbev√∂lkerung, die Umweltverschmutzung und die weit verbreitete Korruption. Die Alphabetisierungsrate ist nach wie vor niedrig und liegt bei ca. 73 f√ľr M√§nner und ca. 48 per Prozent f√ľr Frauen. Der Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsf√ľrsorge ist ebenfalls problematisch. Die Lebenserwartung liegt derzeit bei niedrigen 65,7 Jahren f√ľr M√§nner und 67,9 Jahren f√ľr Frauen. Sch√§tzungsweise 2,4 Millionen Menschen leben mit HIV/AIDS (2009, Sch√§tzung).

Kinder brauchen ein besseres Bildungs-und Gesundheitswesen

Kinder können ein sicheres und gesundes Leben in der Obhut von SOS-Kinderdorf genießen (Foto:  Picture Alliance F.May).
Kinder können ein sicheres und gesundes Leben in der Obhut von SOS-Kinderdorf genießen (Foto: Picture Alliance F.May).

In Indien leben mehr als 447 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Trotz einiger Verbesserungen in den letzten Jahrzehnten fristet etwa die Hälfte aller Kinder ein Leben voller Nöte und Entbehrungen.

Obwohl die Gesundheitssituation f√ľr Kinder in j√ľngster Zeit Fortschritte zu verzeichnen hat, f√ľhrt laut UNICEF das Fehlen einer guten Gesundheitsversorgung zu hohen Sterblichkeitsraten bei S√§uglingen, Kindern und M√ľttern. Beispielsweise sterben jedes Jahr ca. zwei Millionen Kinder an vermeidbaren Krankheiten, davon sch√§tzungsweise j√§hrlich 400 000 Kinder unter f√ľnf Jahren an Durchfallerkrankungen. Ca. 50 Prozent der Sterberate von Kindern ist auf Unterern√§hrung zur√ľckzuf√ľhren. In Indien leiden mehr Kinder an Unterern√§hrung als in ganz Schwarzafrika.

Die Einschulungsquote in Indien ist niedrig; lediglich 72 Prozent aller Kinder zwischen sechs und zehn Jahren besuchen eine Grundschule. Die Kinderarbeit ist ein weit verbreitetes Problem - ca. 12 Prozent aller Kinder zwischen 5 und 14 Jahren m√ľssen Kinderarbeit verrichten. Viele Kinder werden Opfer von Menschenh√§ndlern und zur Arbeit als Hausangestellte, in Fabriken oder zur Prostitution gezwungen.

Da die Zahl der HIV/AIDS-Infektionen gestiegen ist, nimmt auch die Zahl der Kinder ohne elterliche F√ľrsorge sowie die Zahl der Kinder zu, die vom Verlust der elterlichen F√ľrsorge bedroht sind. Auch die HIV/AIDS-Infektionsraten der Kinder selbst steigen weiter an. Diese Kinder sind sozialer Diskriminierung ausgesetzt, wodurch ihre Chancen auf ein besseres Leben erschwert werden.

M√§dchen sind besonders gef√§hrdet, sie sind noch st√§rker von Armut und Obdachlosigkeit bedroht und werden h√§ufiger Opfer von Gewalt. Besonders in l√§ndlichen Gebieten haben M√§dchen keinen Zugang zu grundlegender Gesundheitsf√ľrsorge oder zu Bildungseinrichtungen. In einigen Staat wie z.B. Bihar, Mizoram, Rajasthan und Uttar Pradesh brechen mindestens 60 Prozent der M√§dchen die Grundschule ab. Kinderehen sind ebenfalls weit verbreitet; 47 Prozent aller Kinder werden vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres zwangsverheiratet. Diese Zahl ist in l√§ndlichen Gebieten fast doppelt so hoch wie in den St√§dten.
 

SOS-Kinderdorf in Indien

Die wirtschaftliche Not, die angespannte politische Lage sowie mehrere Naturkatastrophen haben zu einem besonders gro√üen Engagement von SOS-Kinderdorf in Indien gef√ľhrt. Die von SOS-Kinderdorf entwickelten Programme sind je nach Bed√ľrfnissen der lokalen Bev√∂lkerung unterschiedlich und umfassen Kindertagesst√§tten f√ľr Kleinkinder, SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, Betreuung und Unterkunft f√ľr junge Menschen, Berufsbildungszentren sowie medizinische Beratung und Betreuung. Die Familienst√§rkungsprogramme bilden einen wichtigen Bestandteil unserer Arbeit; gemeinsam mit lokalen Organisationen arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit Familien und Gemeinden zusammen, um sie in die Lage zu versetzten, effektiv f√ľr ihre Kinder zu sorgen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht l√§nger bei ihren Familien bleiben k√∂nnen, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.
 

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