SOS-Kinderdörfer in Bolivien

Im Jahr 1968 beschloss Hermann Gmeiner, das Waisenhaus "Gota de Leche" in Cochabamba zu übernehmen und es in ein SOS-Kinderdorf umzuwandeln. Durch die weitverbreitete strukturelle Armut und die Folgen von Naturkatastrophen wie die durch "El Niño" verursachten Überflutungen von 2008 ist die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Bolivien mittlerweile unverzichtbar geworden.

Die Kinder machen ihre Hausaufgaben zusammen.(Foto: F. Espinoza)
Die Kinder machen ihre Hausaufgaben zusammen.(Foto: F. Espinoza).

Die Gesamtbevölkerung Boliviens beläuft sich auf ca. zehn Millionen Einwohner. Demographisch gesehen ist Bolivien ein sehr junges Land. Fast 30 Prozent aller Bolivianer sind jünger als 14 Jahre.

Sucre ist zwar die offizielle verfassungsmäßige Hauptstadt des Landes, aber La Paz ist de facto Sitz der bolivianischen Regierung und die zweitgrößte Stadt des Landes. Die Mehrheit der Bevölkerung Boliviens lebt in ländlichen Gebieten. Dennoch fand im Lauf der letzten Jahrzehnte in Bolivien ein Verstädterungsprozess statt - aus wirtschaftlichen Gründen verlassen viele Bolivianer die verarmten ländlichen Regionen und ziehen in die dynamischen Stadtzentren. Viele von ihnen suchen nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen.

Trotz jüngster Fortschritte bleibt das Armutsniveau hoch

Im Lauf der letzten Jahrzehnte und vor allem in den vergangenen Jahren haben sich die Alphabetisierungsraten, die Zahlen über Unterernährung und die Einschulungsquoten deutlich verbessert. Trotz des jüngsten Wirtschaftswachstums und des sozioökonomischen Fortschritts zählt Bolivien dennoch weiterhin zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Die indigenen Bevölkerungsgruppen und die Landbewohner sind besonders gefährdet; das liegt vor allem darin begründet, dass diese Gruppen in der Vergangenheit von der politischen und wirtschaftlichen Macht ausgeschlossen waren. In Bolivien ist die strukturelle Ungleichheit die Hauptursache für soziale Spannungen - das Land zählt zu den fünf Ländern der Region, die den höchsten Grad an ungleicher Einkommensverteilung aufweisen. Die reichsten zehn Prozent der Bolivianer verfügen über ca. die Hälfte des nationalen Einkommens. Gleichzeitig verfügen die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung lediglich über 1 Prozent des nationalen Einkommens.

Obwohl die offiziellen Armutszahlen je nach Berechnungsmethode leicht voneinander abweichen, leben schätzungsweise 38 Prozent der bolivianischen Bevölkerung unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Die extreme Armut ist in den vergangenen Jahren zwar mit einigen Erfolgen bekämpft worden, dennoch sind in ländlichen Regionen immer noch erschreckende 63 Prozent von großer Armut betroffen. Ungefähr ein Viertel der Bolivianer können ihren täglichen Mindestbedarf an Kalorien nicht abdecken.

Es muss mehr getan werden, um Kinder zu schützen

Beim Feiern (Foto: F. Espinoza)
Beim Feiern (Foto: F. Espinoza)

Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Kinder, die die Grundschule abbrechen, um mehr als die Hälfte gesenkt worden. Das beruht hauptsächlich auf verstärkten Bemühungen von Seiten der Regierung und erfolgreichen Bildungsprogrammen. Nichtsdestotrotz stellt der Zugang zur Schulbildung vor allem in ländlichen Gebieten weiterhin ein großes Problem dar. Armut im Kindesalter hat entscheidende Auswirkungen auf das spätere Erwachsenenleben der Kinder. Sehr häufig führen die im frühen Kindesalter erlebten Benachteiligungen im Erwachsenendasein zu wirtschaftlichen oder persönlichen Misserfolgen.

Der Schutz von Kinderrechten ist in der bolivianischen Gesellschaft noch nicht gänzlich verankert worden. Kinder werden oft als Objekte und Eigentum ihrer Eltern angesehen. Die körperliche Bestrafung von Kindern, um sie zu erziehen und sie den Respekt für ihre Eltern zu lehren, ist in bolivianischen Familien weit verbreitet. Die bolivianische Regierung hat die UN-Kinderrechtskonvention (CRC) im Jahr 1990 unterzeichnet. Dennoch müssen ca. 28 Prozent aller bolivianischen Kinder zwischen 5 und 15 Jahren Kinderarbeit verrichten.

In den bolivianischen Zink- und Silberminen von Potosí scheint eine unbeschwerte Kindheit ein Luxus zu sein, den sich viele Familien schlichtweg nicht leisten können. Nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen sind ca. zehn Prozent aller bolivianischen Minenarbeiter minderjährig. Ihre Lungen sind permanenter Belastung durch Staub und toxische Rauchgase ausgesetzt. Selbst für Erwachsene ist die körperliche Belastung in den Minen enorm. Infolgedessen haben bolivianische Minenarbeiter eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur 40 Jahren.

 

SOS-Kinderdorf in Bolivien

Familienstärkung: Das SOS-Familienstärkungsprogramm bietet dringend benötigte Unterstützung für Familien, die vom Auseinanderbrechen bedroht sind. Viele dieser Programme werden von lokalen Familien betrieben und beinhalten Kinderbetreuung und frühkindliche Erziehung.

Betreuung in Familien: Kinder ohne elterliche Betreuung, finden in einer der zehn SOS-Kinderdörfer ein liebevolles Zuhause. Brüder und Schwestern wachsen zusammen in SOS-Familien auf.

Bildung und Unterstützung junger Menschen: Die hohe Arbeitslosenrate erschwert den jungen Menschen ihren Weg in die Selbständigkeit. Das SOS-Jugendprogramm ermöglicht jungen Menschen Weiterbildung und unterstützt sie während ihrer Arbeitsuche bis sie selbständig leben können. 

Anwaltschaft: Wir arbeiten eng mit anderen Pflegeorganisation und Behörden zusammen, um das Bewusstsein für die Rechte der Kinder zu schärfen.

Nothilfeprogramme: Anfang 2014 gab es schwere Überflutungen im Beni Distrikt. Rund 16.000 Familien waren betroffen. In enger Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, errichteten wir drei Kindergärten für 420 Kinder. Wir  verbesserten auch die Infrastruktur und haben Trainings durchgeführt, sodass diese Kindergärten in Zukunft weiter geführt werden können.

 

 

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