SOS-Kinderdörfer in Argentinien

SOS-Kinderdorf nahm seine T√§tigkeit in Argentinien im Jahr 1963 auf, um die Folgen der erdr√ľckenden Armut in den Vororten von Buenos Aires zu lindern. Die Organisation begann bald darauf mit dem Ausbau ihrer Aktivit√§ten im Landesinneren, um Kindern an verschiedenen Standorten helfen zu k√∂nnen. Nach der schweren Wirtschaftskrise im Jahr 2002 wurde die Arbeit unserer Organisation bedeutender als je zuvor. Zu der Zeit lebten fast f√ľnfzig Prozent der Kinder in Argentinien unterhalb der Armutsgrenze.

 Wiederherstellung nach dem Wirtschaftszusammenbruch von 2002

Lächelnder Junger von unserem Familienstärkungsprogramm. (Foto: SOS-Archiv)
Lächelnder Junger von unserem Familienstärkungsprogramm. (Foto: SOS-Archiv)

W√§hrend des 20. Jahrhunderts gab es in Argentinien andauernde interne politische Konflikte und autokratische Regierungen. Zwischen 1946 und 1955 pr√§gten Juan Domingo Per√≥n und seine Frau Eva die politische Landschaft in Argentinien - die L√∂hne wurden angehoben und die Arbeitsbedingungen verbessert, es wurden Gewerkschaften gegr√ľndet und eine Reihe strategisch wichtiger Industriebetriebe verstaatlicht.

Nichtsdestotrotz wurde Per√≥n im Jahr 1955 gest√ľrzt und floh ins Exil. 1976 √ľbernahm eine Milit√§rjunta unter der F√ľhrung von General Jorge Rafael Videla die Macht. W√§hrend seiner Diktatur verschwanden Tausende von Menschen spurlos. Nachdem Argentinien 1983 den Falkland-Krieg gegen Gro√übritannien verloren hatte, wurde die Demokratie wieder eingef√ľhrt und ist seither die bestehende Regierungsform im Land.

Die hohe Inflationsrate war in Argentinien schon immer ein Problem. Im Jahr 2001 erlebte Argentinien jedoch die schwerste soziale und wirtschaftliche Krise in der ohnehin turbulenten Geschichte des Landes. Die kritische Phase begann 1998 mit dem Sinken des realen BIP und endete mit einem vollständigen Zusammenbruch der Wirtschaft im Jahr 2002. Die Menschen begannen, das Geld von ihren Bankkonten abzuheben, Pesos gegen Dollar zu tauschen und diese Devisen ins Ausland zu schaffen. Nach dem Jahr 2002 erholte sich die Wirtschaft des Landes in einem beeindruckenden Tempo und gehört mittlerweile zu den größten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftssystemen in ganz Lateinamerika.

Nach wie vor Armut in Argentinien trotz der beeindruckenden Konjunkturbelebung

Laut Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen steht Argentinien derzeit auf dem Human Development Index (HDI) von allen lateinamerikanischen Ländern hinter Chile an zweiter Stelle. Nichtsdestotrotz leiden immer noch viele Menschen in Argentinien an den langfristigen Folgen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs im Jahr 2002.

Obwohl das Land sich wirtschaftlich gesehen rasch erholt hat, warten immer noch Tausende von Argentiniern darauf, die Folgen des Aufschwungs zu sp√ľren. Derzeit leben ca. 11 Prozent der Bev√∂lkerung in Armut. Auf dem Land ist die Armut wesentlich weiter verbreitet und stellt nach wie vor ein ernstes Problem dar.
Die HIV/AIDS-Pr√§valenzrate liegt in Argentinien bei 0,5 Prozent. In anderen Worten leben derzeit ca. 110 000 Menschen mit HIV. In ca. vier von f√ľnf F√§llen wird das Virus durch ungesch√ľtzten Geschlechtsverkehr zwischen M√§nnern und Frauen √ľbertragen.

Kinder brauchen Schutz

Kinder haben Spaß zusammen (Foto: SOS-Archiv)
Kinder haben Spaß zusammen (Foto: SOS-Archiv)

In Argentinien haben 630 000 Kinder ihre Eltern verloren. Viele der Kinder ohne elterliche F√ľrsorge wachsen in zerr√ľtteten Familien oder auf der Stra√üe auf. Teenager-Schwangerschaften sind in Argentinien nach wie vor ein weit verbreitetes Problem. Die Babys dieser jungen M√ľtter sind noch st√§rker von Vernachl√§ssigung, Missbrauch, Armut und Krankheiten bedroht. Die minderj√§hrigen M√ľtter selbst sind den gleichen Risiken ausgesetzt.

Obwohl die Einschulungsquote mit 98 Prozent in Argentinien recht hoch ist, haben viele argentinische Kinder selbst beim Lesen einfachster Texte Schwierigkeiten. Studien belegen, dass sie nicht √ľber ausreichende Kompetenzen verf√ľgen, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu k√∂nnen. Die S√§uglingssterblichkeitsrate bel√§uft sich in Argentinien auf ca. 13 von 1000 Lebendgeburten und ist somit mehr als doppelt so hoch als in Kuba, einem viel √§rmeren Land. Die regionalen Ungleichgewichte sind bemerkenswert - w√§hrend im l√§ndlichen Norden die Kindersterblichkeitsrate extrem hoch ist, fallen diese Zahlen in Buenos Aires wesentlich niedriger aus.

Die Kinderarbeit ist im heutigen Argentinien ebenfalls ein ungel√∂stes Problem. In l√§ndlichen Regionen m√ľssen ca. 35,5 Prozent aller Kinder zwischen 5 und 13 Jahren Kinderarbeit verrichten. In den meisten F√§llen wirkt sich die Kinderarbeit nachteilig auf die Schulbildung der Kinder aus, da die Mehrheit der arbeitenden Kinder entweder nur noch sporadisch oder √ľberhaupt nicht mehr zur Schule geht. Ohne eine gute Ausbildung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, das sie auch als Erwachsene schwere k√∂rperliche Arbeit verrichten m√ľssen.

SOS-Kinderdorf in Argentinien

Derzeit gibt es in Argentinien vier SOS-Kinderd√∂rfer. Sie befinden sich in C√≥rdoba, Luj√°n, Mar del Plata und Ober√°. In Argentinien helfen wir Kindern und Jugendlichen durch Kindertagesst√§tten und Schulen. Das Ziel von SOS-Kinderdorf liegt darin, vom Verlust der elterlichen F√ľrsorge bedrohten Kindern die M√∂glichkeit zu geben, in einer liebevollen famili√§ren Umgebung aufzuwachsen. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit Familien und Gemeinden zusammen, um sie in die Lage zu versetzen, ihre Kinder effektiv zu besch√ľtzen und zu versorgen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit lokalen Beh√∂rden und anderen Einrichtungen. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht l√§nger bei ihren Familien bleiben k√∂nnen, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie.


Website von SOS-Kinderdorf Argentinien
(verf√ľgbar auf Spanisch)

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