SOS-Kinderdorf Chipata

Das Leben der Subsistenzbauern in der Ostprovinz Sambias wird zunehmend schwieriger. Viele l√§ndliche Gemeinden haben eine hohe HIV/AIDS-Pr√§valenzrate zu verzeichnen. Medikamente und Behandlungen sind h√§ufig unerschwinglich. Tausende Kinder haben bereits die elterliche F√ľrsorge verloren.

Mehrheit der Bev√∂lkerung leidet an erdr√ľckender Armut

Kinder ohne elterliche F√ľrsorge k√∂nnen in SOS-Familien im SOS-Kinderdorf Chipata aufwachsen.  (Foto: SOS-Archiv)
Kinder ohne elterliche F√ľrsorge k√∂nnen in SOS-Familien im SOS-Kinderdorf Chipata aufwachsen. (Foto: SOS-Archiv)

Chipata ist die Hauptstadt der Ostprovinz Sambias, hat rund 450 000 Einwohner und liegt nahe der Grenze zu Malawi. Etwa 87 Prozent der Bewohner der Region leben von der Landwirtschaft, die meisten sind Subsistenzbauern.

Die Regierungspolitik der letzten Jahre zur Stabilisierung der makro√∂konomischen Situation hatte die Wirtschaft erst einmal in eine noch tiefere Krise gest√ľrzt. Die Abschaffung von Nahrungsmittelsubventionen hatte negative Auswirkungen auf die Ern√§hrungssituation, und durch die Privatisierung des Bergbaus wurden zahlreiche Menschen arbeitslos. Die Armutsraten sind im Verwaltungsbezirk Chipata sehr hoch. √úber 50 Prozent der Bewohner der Region leben in extremer Armut und haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser oder ausreichend Nahrung.

Die Lage ist in den ländlichen Gebieten besonders dramatisch: Schätzungen zufolge gelten weniger als ein Prozent der Landbevölkerung als 'nicht arm' oder reich.

Wenn Eltern erkranken, m√ľssen Kinder oft f√ľr sich selbst sorgen

Als Folge der Armut ist auch die S√§uglingssterblichkeitsrate mit 111 pro 1000 Lebendgeburten sehr hoch. Die Sterblichkeitsrate der Kinder unter f√ľnf Jahren ist mit 180 pro 1000 Lebend-geburten sogar noch h√∂her. Auch Malaria und andere Infektionskrankheiten sind weit verbreitet, unter anderem aufgrund des Mangels an sauberem Trinkwasser und sanit√§ren Einrichtungen.

Sch√§tzungen zufolge leiden 66,5 Prozent aller Kinder unter f√ľnf Jahren als direkte Folge der Mangelern√§hrung an Kleinwuchs. Die Bev√∂lkerung ern√§hrt sich √ľberwiegend von Mais und damit sehr einseitig. Gesch√§tzte 20 Prozent aller Haushalte sind frauengef√ľhrt, was zum Teil auf die hohe HIV/AIDS-Pr√§valenzrate der Region zur√ľckzuf√ľhren ist. Mehr als 14 Prozent der lokalen Bev√∂lkerung sind bereits infiziert. Ohne AIDS liegt die Lebenserwartung in Chipata bei rund 51 Jahren - bei den Infizierten sind es nur 37 Jahre. In der Region haben mehr als 33 000 Kinder ihre Eltern an AIDS verloren.

F√ľr weite Teile der Bev√∂lkerung von Chipata ist Bildung unerreichbar. Die Analphabetenrate der Erwachsenen liegt bei ca. 45 Prozent. Dadurch haben viele Menschen kaum Chancen, den Armutszyklus zu durchbrechen – wenn sie weder lesen noch schreiben k√∂nnen, finden sie nur selten eine Besch√§ftigung. SOS-Kinderdorf unterst√ľtzt die Familien in der Region unter anderem durch die medizinische Versorgung notleidender Menschen und Unterst√ľtzung f√ľr Eltern, damit sie ihre Kinder zur Schule schicken k√∂nnen.

Unsere Arbeit in Chipata

Kinder in unserer Obhut gehen zusammen mit Kindern aus der Nachbarschaft in den Kindergarten und die Schule (Foto: SOS-Archiv).
Kinder in unserer Obhut gehen zusammen mit Kindern aus der Nachbarschaft in den Kindergarten und die Schule (Foto: SOS-Archiv).

SOS-Kinderdorf ist seit 2011 in Chipata t√§tig. Unser Familienst√§rkungsprogramm unterst√ľtzt notleidende Familien in der Region und insbesondere Menschen, die an HIV/AIDS erkrankt sind.

Wir versuchen Familien vor der Zerr√ľttung zu bewahren, damit Kinder sicher und beh√ľtet in einem liebevollen Zuhause aufwachsen k√∂nnen. Das SOS-Sozialzentrum in Chipata sichert Kindern den Zugang zu Nahrung, Bildung und medizinischer Versorgung. Wir unterst√ľtzen Familien bei der Einkommensf√∂rderung und dem Ausbau der elterlichen Kompetenzen und bieten im Bedarfsfall Beratungen und psychologischen Beistand. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen setzen wir uns f√ľr die St√§rkung gemeindebasierter Unterst√ľtzungssysteme f√ľr notleidende Familien ein.

Das SOS-medizinische Zentrum in Chipata leitet dar√ľber hinaus eine mobile Klinik, die in die umliegenden Gemeinden f√§hrt. Jedes Jahr werden bis zu 2000 Patienten behandelt. Das Zentrum bietet eine √§rztliche Grundversorgung, Krankheitspr√§vention und freiwillige Tests. HIV/AIDS-Infizierte erhalten Beratungen und Medikamente. Alle Angebote stehen der Gemeinde offen und richten sich an notleidende Menschen, die sich sonst keine Behandlung leisten k√∂nnten.

Bis zu 130 Kinder aus der Region, die nicht l√§nger bei ihren Eltern leben k√∂nnen, finden in 13 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut.

Die Kinder besuchen den SOS-Kindergarten in Chipata zusammen mit den Kindern aus der Nachbarschaft und sind dadurch bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Wir arbeiten mit der örtlichen Schule zusammen und verbessern damit die Schulbildung.
 

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