SOS-Kinderdorf N'Zérékoré

Das Leben in der Sahelzone ist durch Nahrungsmittelknappheit und politische InstabilitĂ€t gekennzeichnet. Viele Menschen kĂ€mpfen jeden Tag ums Überleben. Kinder leiden als schwĂ€chster Teil der Bevölkerung am meisten unter der Unsicherheit ihres Landes.

Bittere Armut und Hunger prÀgen das tÀgliche Leben tausender Menschen

Eine SOS-Familie im Garten (Foto: SOS-Archiv).
Eine SOS-Familie im Garten (Foto: SOS-Archiv).

N'ZĂ©rĂ©korĂ© liegt im Ă€ußersten SĂŒden Guineas nahe der Grenze zu Liberia und ist mit geschĂ€tzten 250 000 bis 300 000 Einwohnern die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt des Landes. Die Zahl der Bewohner hat sich seit 1996 nicht zuletzt aufgrund des Zustroms von KriegsflĂŒchtlingen aus den NachbarlĂ€ndern Liberia, Sierra Leone und CĂŽte d’Ivoire fast verdreifacht. Allein im Jahr 2012 kamen 2000 neue FlĂŒchtlinge aus CĂŽte d’Ivoire und weitere knapp 14 000 Menschen aus Liberia und anderen LĂ€ndern nach N'ZĂ©rĂ©korĂ©. Einige dieser Zwangsvertriebenen kehren nach einer Entspannung der Lage in ihre Heimat zurĂŒck, andere dagegen bleiben. Die Situation wird zusĂ€tzlich durch die sozioökonomischen Bedingungen und das labile politische Umfeld in der Region erschwert.

Die anhaltende Verletzung der Kinderrechte und die jĂ€hrliche Verschleppung tausender Kinder ist in ganz Westafrika und damit auch in Guinea ein großes Problem. Zahlreiche unbegleitete Kinder ziehen vom Land in die Stadt; viele flĂŒchten vor Missbrauch oder weil sie schlichtweg nicht genug zu essen haben. Manche suchen in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten nach Arbeit, um Geld nach Hause zu schicken und ihre Familien zu unterstĂŒtzen. Diese Kinder sind in höchstem Maße von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch bedroht. Viele von ihnen betteln auf der Straße, haben keinen Zugang zu Bildung und somit kaum Chancen auf eine bessere Zukunft.

Ein Leben in WĂŒrde beginnt mit der Grundversorgung

Die gesamte Sahelzone wird regelmĂ€ĂŸig von DĂŒrren heimgesucht, die zu chronischer ErnĂ€hrungsunsicherheit fĂŒhren. Durch steigende Weltmarktpreise fĂŒr Reis und Weizen sind tausende Menschen gefĂ€hrdet. Da Guinea einen Großteil seines Reisbedarfs importiert, hat jede globale Preisschwankung schwere Folgen fĂŒr die Bevölkerung. Besonders Kinder leiden unter MangelernĂ€hrung, die schĂ€dliche und hĂ€ufig irreversible Auswirkungen auf ihre körperliche und geistige Entwicklung hat. 40 Prozent aller Kinder unter fĂŒnf Jahren sind in Guinea kleinwĂŒchsig.

In der Region besteht dringender Bedarf an der Verbesserung der Lebensbedingungen, der öffentlichen Gesundheit und des Wohls der Bevölkerung. Wenn der Zugang zu Nahrung, Bildung und BeschÀftigung nicht gesichert sind, werden Kinder weiter gezwungen sein, auf der Suche nach Arbeit ihre Familien zu verlassen, von Ausbeutung, Verschleppung und Missbrauch bedroht bleiben und wenig Chancen auf eine gesunde Entwicklung haben.

Unsere Arbeit in N'Zérékoré

Bei einem Workshop ĂŒber Kinderrechte (Foto: SOS-Archiv).
Bei einem Workshop ĂŒber Kinderrechte (Foto: SOS-Archiv).

Das SOS-Kinderdorf N'ZĂ©rĂ©korĂ© wurde im Jahr 2001 eröffnet. Aufgrund der zunehmend schwierigen Situation in der Region und den NachbarlĂ€ndern gab es in jĂŒngster Zeit einen wachsenden Bedarf an UnterstĂŒtzung in der Gemeinde. Das SOS-FamilienstĂ€rkungsprogramm unserer Sozialzentren sorgt dafĂŒr, dass notleidende Familien ausreichend Nahrung, Zugang zu Bildung und Ă€rztlicher Betreuung, zu professionellen Beratungen, sanitĂ€rer Versorgung und menschenwĂŒrdigen Behausungen erhalten. Unsere BemĂŒhungen sind darauf ausgerichtet, die familiĂ€re StabilitĂ€t zu wahren und die Not der Bevölkerung zu lindern, damit Kinder in einem sicheren Zuhause aufwachsen können.

Bis zu 130 Kinder aus der Region, die nicht lĂ€nger bei ihren Familien leben können, finden in 13 SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-MĂŒttern fĂŒrsorglich betreut.

Die Kinder besuchen den SOS-Kindergarten zusammen mit den Kindern aus der Gemeinde, schließen Freundschaften und sind daher bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert. Über 700 SchĂŒlerInnen besuchen die PrimĂ€r- und Sekundarstufen der SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen. Aufgrund des Mangels an Bildungseinrichtungen leistet die SOS-Schule einen wichtigen Beitrag zur Bildung in der Region.

Junge Menschen, die ihren SOS-Familien entwachsen und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren möchten, können in die betreuten Wohngemeinschaften des SOS-Jugendprogramms ziehen. Begleitet durch qualifizierte FachkrĂ€fte können sie sich auf ein Leben in SelbstĂ€ndigkeit vorbereiten und erhalten UnterstĂŒtzung bei der Suche nach Arbeit oder einem Ausbildungsplatz.

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