SOS-Kinderdorf Tamale

W√§hrend die allgemeine Armutsrate in Ghana in j√ľngster Zeit um fast 50 Prozent gesenkt werden konnte, ist die l√§ndliche Armut nach wie vor sehr weit verbreitet. Gesch√§tzte 40 Prozent der Bev√∂lkerung der d√ľrregeplagten Nordregion Ghanas leiden an chronischer Ern√§hrungsunsicherheit, schlechter Infrastruktur, dem Mangel an Grundversorgung und an sauberem Trinkwasser.

Ländliche Regionen vom wirtschaftlichen Fortschritt ausgeschlossen


Junge Frau baut ihr eigenes Getreide an (Foto: J. Lugtigheid)
Tamale ist die Hauptstadt der Nordregion Ghanas - einer der √§rmsten Regionen des Landes - und hat circa 360 000 Einwohner. Im Gegensatz zu anderen St√§dten in Ghana findet man in Tamale sowohl moderne Geb√§ude als auch traditionelle Lehmh√ľtten. In der Region sind verschiedene ethnische Volksgruppen beheimatet, und in den l√§ndlichen Gebieten sind die Stammeszugeh√∂rigkeit, die Traditionen und der Stammesh√§uptling von gro√üer Bedeutung f√ľr das Leben der Gemeinde. In j√ľngster Zeit gab es wiederholt bewaffnete Konflikte zwischen verschiedenen St√§mmen √ľber Landrechte, politische Vertretungen und Religionen.

Die wiederkehrenden Konflikte und das extreme Armutsniveau der Region haben zu einer massiven Landflucht gef√ľhrt. Tausende Migranten sind in die St√§dte im S√ľden des Landes gezogen. Im landwirtschaftlich gepr√§gten Norden versorgen Frauen nicht nur die Kinder und den Haushalt, sondern helfen auch bei der Feldarbeit, sammeln Brennholz und holen Wasser aus entlegenen Quellen. Allein das Wasserholen kann jeden Tag bis zu 70 Minuten in Anspruch nehmen und liegt in der Zust√§ndigkeit der M√§dchen und Frauen.

Ungleichheit der Geschlechter gefährdet die Zukunft junger Mädchen

Trotz j√ľngster Regierungsprogramme zur Sicherung der freien Grundschulbildung f√ľr alle Kinder ist die Ungleichheit der Geschlechter bei den Einschulungs- und allgemeinen Schulbesuchsraten in der Nordregion weiterhin deutlich sichtbar: etwa 65 Prozent der M√§dchen erhalten Sch√§tzungen zufolge keinerlei formelle Ausbildung, weil ihre Familien an Armut leiden und M√§dchen bereits in jungen Jahren bei der Hausarbeit helfen m√ľssen. M√§dchen werden h√§ufig fr√ľh verheiratet, Jungen bevorzugt, und es gibt auch religi√∂se Gr√ľnde f√ľr die ungleiche Behandlung der Geschlechter. Der Mangel an Bildung erschwert die zuk√ľnftigen Chancen der M√§dchen auf sozialen und wirtschaftlichen Erfolg. Sie haben nur wenige Aussichten, als Erwachsene den Armutszyklus zu durchbrechen.

Ein weiteres zunehmendes Problem besonders in armen, l√§ndlichen Gebieten ist die √Ąchtung und Verfolgung von M√§dchen und Frauen, die der Hexerei beschuldigt werden. Selbst Neugeborene k√∂nnen betroffen sein. Die angeblich verhexten Babies, M√§dchen oder Frauen werden f√ľr Todesf√§lle, Krankheiten, sogar berufliche Misserfolge oder finanzielle Probleme verantwortlich gemacht und k√∂rperlich misshandelt, gefoltert, ausgesetzt oder get√∂tet. Im Norden Ghanas gibt es sogenannte „Hexenlager“, in denen diese Frauen Zuflucht suchen. Viele k√∂nnen niemals in ihre Gemeinden zur√ľckkehren. Sch√§tzungen zufolge leben etwa 1000 Frauen und 700 M√§dchen in diesen Camps. Nach Meinung von Psychiatern sind einige der Betroffenen psychisch krank. Daher bedarf es dringend an Aufkl√§rung √ľber Fragen der mentalen Gesundheit.

Unsere Arbeit in Tamale


Junges Mädchen im Klassenzimmer (Foto: C. Ngo Biyack)
Das SOS-Kinderdorf Tamale wurde 2008 er√∂ffnet. Heute leitet unser Sozialzentrum ein Familienst√§rkungsprogramm f√ľr notleidende Menschen in der Gemeinde. Wir sorgen daf√ľr, dass Kinder Nahrung, Bildung und medizinische Versorgung erhalten, helfen Eltern bei der Einkommensf√∂rderung und st√§rken die gemeindebasierten Unterst√ľtzungsangebote f√ľr notleidende Kinder und Familien. Das √ľbergeordnete Ziel des Programms ist die St√§rkung gef√§hrdeter Familien, damit Kinder in Sicherheit aufwachsen und die elterliche F√ľrsorge nicht verlieren. Bis zu 1000 Menschen erhalten sozialen Beistand und materielle Hilfen.

Im SOS-medizinischen Zentrum Tamale werden jedes Jahr bis zu 12 000 Mitglieder der Gemeinde behandelt. Hier bekommen Menschen, die sich sonst keine ärztliche Betreuung leisten könnten, eine medizinische Grundversorgung wie die Behandlung ansteckender und nicht infektiöser Krankheiten. Sie werden im Bedarfsfall operiert oder erhalten Familienberatungen. Das medizinische Zentrum bietet notleidenden Menschen und Familien sowie HIV-Infizierten Nahrungsmittel, Medikamente und psychologischen Beistand.

Bis zu 120 Kinder aus der Region, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen k√∂nnen, finden in zw√∂lf SOS-Familien ein liebevolles Zuhause. Hier werden sie gemeinsam mit ihren Geschwistern von SOS-M√ľttern f√ľrsorglich betreut.

Der SOS-Kindergarten steht sowohl Kindern aus dem Kinderdorf als auch aus der Gemeinde offen. Sp√§ter besuchen sie die SOS-Hermann-Gmeiner-Grundschule, in der bis zu 320 Sch√ľlerInnen aus dem Kinderdorf und der Gemeinde unterrichtet werden. Dadurch sind die Kinder aus den SOS-Familien bereits in jungen Jahren gut in ihre Umgebung integriert.

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