Das Magazin von SOS-Kinderdorf
23. Juni 2017 | Familienstärkung

Der lange Weg zu starken Familien

Wie funktioniert Hilfe zur Selbsthilfe angesichts von Armut, Analphabetismus und politischer Instabilität? Ein Besuch in Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, in der SOS-Kinderdorf tausende Familien unterstützt.

Der kleine Benoît hat sich längst die Sonnenbrille des österreichischen Besuchers geschnappt. Rennt damit durchs Haus und macht einen auf Tom Cruise. Benoît ist einer von sieben Sprösslingen, die Maman Victoire Yao in der Innenstadt von Yamoussoukro beim Aufwachsen begleitet.

Das kleine, abgeschiedene Wohnhaus liegt in einer Seitengasse in der Nähe des Marktes. Hinter Haustor und Hausmauer lauert ein kleines Gärtchen, in dessen praller Sonne ein paar Pflänzchen ums Überleben kämpfen. Das Dorf, das zu dieser SOS-Kinderdorf-Familie gehört, liegt ein gutes Stück entfernt, ein paar Kilometer weiter im Norden.

"Ich bin gerne SOS-Kinderdorf-Mutter", sagt Victoire Yao, die sich um sechs Buben und ein Mädchen kümmert. "Früher habe ich in einem regulären SOS-Kinderdorf gearbeitet, und zwar in Aboisso im Osten des Landes. Da gab es viele andere Mütter, auf die man sich verlassen konnte, wenn sich einmal die Ereignisse überschlagen haben". "Hier", Victoire Yao deutet mit einer Handbewegung die Konturen des 130 Quadratmeter großen Hauses an, "muss ich alles selbst organisieren. Hier bin ich auf mich selbst gestellt."

Solche kleinen Satelliten – also SOS-Kinderdorf-Familien und -Wohngruppen, die außerhalb des klassischen SOS-Kinderdorfs angesiedelt sind – gibt es inzwischen in vielen Ländern. Auf diese Weise soll die Integration der Kinder in die Gesellschaft unterstützt und einer Stigmatisierung vorgebeugt werden.
 
Konzept Familienstärkung: Zehntausende Kinder und ihre Familien werden in der Elfenbeinküste von SOS-Kinderdorf organisatorisch und finanziell unterstützt.


Schwierige Verhältnisse

In der Elfenbeinküste sind es derzeit zwei Familien, die auf diese Weise außerhalb der drei regulären SOS-Kinderdörfer Abidjan, Aboisso und Yamoussoukro betreut werden. Hinzukommen einige tausend Familien in ärmlichen Verhältnissen, die sich die Erziehung ihrer eigenen Kinder kaum leisten können und denen SOS-Kinderdorf finanziell und organisatorisch unter die Arme greift.

 

"Familienstärkung" nennt sich das Konzept

"In einer so großen Stadt wie Yamoussoukro mit schlechter Infrastruktur ist nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe langwierig", erzählt Casimir Diamande, Direktor des SOS-Kinderdorfs Yamoussoukro. "Wir sind erst am Anfang." In 20 bis 30 Jahren, meint Diamande, der mit seinem hellblauen, festlich bestickten Pagne wie ein vom Himmel gefallener Engel scheint, werde man die Früchte dieser Arbeit ernten können.

Der Hilfsbedarf ist groß, denn der Bürgerkrieg, der vor gut zehn Jahren zu Ende gegangen ist, wirkt immer noch nach. Die Lebenserwartung liegt bei kaum mehr als 50 Jahren, eine Frau bringt im Durchschnitt fünf Kinder zur Welt. Das führt oft zu dramatischen Situationen: "Manche Kinder haben ihre Eltern im Bürgerkrieg verloren, andere wurden missbraucht oder einfach abgegeben, weil sich die Eltern ein weiteres Kind nicht mehr leisten konnten", erklärt Paul Gbato, Nationaldirektor von SOS Côte d’Ivoire.

"Wir möchten die Familien präventiv informieren und dem vorbeugen, dass zu viele Kinder gezeugt werden, die eines Tages womöglich verstoßen werden."
 
Victoire Yao ist SOS-Kinderdorf-Mutter mitten in der Stadt. Die Arbeit außerhalb der klassischen Dorfstrukturen fördert die Integration und stärkt die Nachbarschaft.

Finanziert wird die Arbeit von SOS-Kinderdorf in strukturschwachen Gebieten von Klein- und Großspendern aus Europa und Nordamerika – zum Beispiel von Manfred Kröswang, Geschäftsführer des gleichnamigen oberösterreichischen Lebensmittelgroßhändlers: "Mich fasziniert, mit welcher Leidenschaft SOS-Kinderdorf seine Arbeit macht. Und diese Leidenschaft schlägt sich auch bei den Kindern und Mütter nieder."

SOS-Kinderdorf-Mutter Victoire Yao, deren Arbeit mit ihren sieben Zöglingen auch eine wertvolle Botschaft an die lokale Bevölkerung sendet, sagt: "Durch die Sichtbarkeit des Schicksals der Kinder in der Stadt denken die Menschen mehr und mehr darüber nach, wie sie ihr Leben gestalten und welche Möglichkeiten sie ihren Familien bieten könnten."
Länder, in denen SOS-Kinderdorf ativ ist.


Weltweite Hilfe

SOS-Kinderdorf unterstützt weltweit knapp 250.000 Kinder in ihren Familien. 80.000 Kinder und junge Menschen wachsen in SOS-Kinderdorf-Familien und Wohngemeinschaften auf. Über 200.000 Kindern und Erwachsenen ermöglicht SOS-Kinderdorf einen Schulbesuch. Knapp eine Million Menschen besuchten im Jahr 2016 medizinische SOS-Versorgungszentren. Fast ebenso viele Menschen erhalten Unterstützung im Rahmen der Nothilfe, zum Beispiel nach Erdbeben.

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