Wer jemals in Kinderaugen Angst, fragendes Unverständnis und Suche nach Vertrauen erblickt hat, der wird wohl alles tun, um wieder ein wenig Sonnenschein in diese Augen zu bringen. Ich werde eines meiner schrecklichsten Erlebnisse nie vergessen, als 1985 die Erde Mexikos - meiner zweiten Heimat -bebte. Kinder, die binnen Minuten keine Familie mehr hatten, die verletzt und weinend unter den Trümmern standen. Das war mehr als ein Schlüsselerlebnis für mich. Ich selbst habe bei dieser Naturkatastrophe vier nahe Verwandte, darunter zwei Kinder, verloren. Trotz des Gefühls der Hilflosigkeit in dieser Situation war mir eines sofort klar: Ich musste versuchen, etwas gegen dieses Elend zu tun. Nur die Kraft der Musik konnte mir dabei helfen, meine Familie und mein Publikum, das meine Konzerte besuchte und damit die finanzielle Basis für eine Hilfsaktion schuf.
Das SOS-Kinderdorf Huehuetoca nahe Mexiko City wurde gegründet. Damals hatte sich eine kleine Gruppe von Musikliebhabern der Hilfe für verlassene Kinder angeschlossen. Zwei kleine Patenkinder in Huehuetoca waren der Anfang. Eines der Kinder ist heute bereits verheiratet und hat eine eigene Familie.
Hermann Gmeiner hat mit der weltweiten SOS-Kinderdorf-Organisation ein beispielgebendes Lebenswerk geschaffen, mit nie endendem Glauben an seine Vision und der ganzen Kraft seiner überragenden und charismatischen Persönlichkeit. Er hat nicht nur Tausenden von Kindern ein Zuhause und eine Zukunft gegeben, sondern auch den SOS-Kinderdorf-Müttern und Mitarbeitern ein motiviertes und ausgefülltes Leben.
Kinder in Not sollten uns ein Anliegen sein, und wir haben die Pflicht, sie zu schützen und ihnen zu helfen - auch sie sind die Zukunft der Welt. In jedem strahlenden Kinderblick finden wir uns selbst und erhalten viel mehr Glück zurück, als wir jemals imstande sind zu geben.