Ein tragfähiges familiäres Netz
Im SOS-Kinderdorf Imst sind seit seinem Bestehen über 700 Kinder aufgewachsen.Das SOS-Kinderdorf Imst liegt am Sonnberg, etwas oberhalb der Stadt, in ca. 1000m Seehöhe direkt am Waldrand. Kinder, die keine Eltern mehr haben oder deren Eltern sich nicht um sie kümmern können, wachsen gemeinsam mit ihren leiblichen und SOS-Kinderdorf-Geschwistern auf, begleitet von SOS-Kinderdorf-Müttern, -Vätern oder -Eltern. In ihrer SOS-Kinderdorf-Familie erfahren die Kinder stabile und verlässliche Beziehungen sowie eine familiennahe Betreuung bis ins Erwachsenenalter und darüber hinaus.
Und heute?
SOS-Kinderdorf Imst umfasst heute 12 Familienhäuser, in denen 42 Kinder und Jugendliche aufwachsen, sowie einen
Kindergarten, der auch Kindern aus der Umgebung offensteht. Dieses Miteinander von Kindern aus dem SOS-Kinderdorf und aus der Nachbarschaft soll dazu beitragen, dass die im SOS-Kinderdorf lebenden Kinder Teil ihres regionalen Umfeldes sind. Rund die Hälfte der Kinder, die den Kindergarten besuchen, kommt aus der Nachbarschaft des SOS-Kinderdorfes.
In vier
Kinderwohngruppen im SOS-Kinderdorf Imst leben derzeit 16 Kinder, die alle eine tragfähige Beziehung zu ihren Eltern haben. Ähnlich wie in einer SOS-Kinderdorf-Familie erhalten die Kinder hier eine langfristige und familiennahe Betreuung, werden dabei jedoch von einem Team bestehend aus FamilienhelferInnen und SozialpädagogInnen begleitet.
Seit April 2004 gibt es in Imst einen
Krisenpflegeplatz als Antwort auf die häufigen Anfragen der Jugendwohlfahrt nach kurzfristigen Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder in akuten Krisensituationen. Bis zu acht Kinder leben im "Haus Espenau" zusammen mit vier BetreuerInnen und dem Teamleiter. Die Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren bleiben in der Wohngruppe, bis eine Rückführung zu ihren leiblichen Eltern möglich ist oder ein passender Pflegeplatz gefunden wurde. Die Aufenthaltsdauer soll längstens sechs Monate betragen, und kann um maximal sechs Monate verlängert werden.

Das sozialpädagogische
Jugendwohnen Telfs, ca. 30 km westlich von Innsbruck, ist eine sozialpädagogische weiterführende Einrichtung der SOS-Kinderdorf-Region Tirol für Mädchen und Jungen ab dem 13. Lebensjahr. Das Ziel der Jugendwohngemeinschaft ist es, die anvertrauten Jugendlichen auf ihrem Weg zu begleiten und sie darin zu unterstützen, sich in ihr soziales Umfeld zu integrieren und realistische Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Derzeit werden in Telfs 12 Jugendliche betreut; sieben junge Frauen leben im Haus am Lohbach in Innsbruck.
Weitere Einrichtungen
Seit April 2004 befindet sich in Innsbruck die
Ambulante Familienarbeit Tirol. Diese Einrichtung unter der Trägerschaft von SOS-Kinderdorf wird zum überwiegenden Teil vom Land Tirol finanziert und ist in ganz Nordtirol tätig. Multi-professionelle Teams (PsychologInnen, TherapeutInnen, SozialarbeiterInnen,…) versuchen, Krisen in Familien rechtzeitig vorzubeugen bzw. diese mit den Familien gemeinsam konstruktiv zu bewältigen. Aus den Erfahrungen der ambulanten Familienarbeit ist ein neues, weiterführendes Projekt entstanden: die
Kinderbühne. Kinder, die Scheidungs-, Trennungs- und Verlusterlebnisse hinter sich haben, erhalten dort Gelegenheit, ihre innere Not in psychodramatischen Rollenspielen spielerisch darzustellen – auf die Bühne zu bringen. Neben den therapeutischen Interventionen wird das Kind in seiner eigenen Kreativität unterstützt, damit es lernt, neue Handlungsmöglichkeiten als Antwort auf die neue Situation zu finden.

In Kooperation mit dem Land Tirol und der Stadt Hall hat SOS-Kinderdorf ein Projekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) realisiert, genannt
BIWAK. Die Einrichtung BIWAK umfasst vier Angebote für über zwanzig jugendliche Flüchtlinge, die ohne Eltern oder Angehörige aus ihrem Heimatland flüchten mußten und nach Österreich gekommen sind: Im BIWAK und im BEWO Münzergasse erhalten junge Männer und Frauen aus allen Teilen der Welt neben ihrer Grundversorgung eine sozialpädagogische Betreuung. Am BIWAK Campus wird den jungen Menschen ein umfassendes Bildungsangebot gestellt und im
WINGS wird ihnen Beschäftigung und Qualifizierung geboten. Die rechtliche Betreuung der jungen Asylwerber ist ebenfalls sichergestellt. Der alpine Ausdruck "BIWAK" steht als Synonym für Schutz und Sicherheit auf einem schwierigen (Lebens-) Weg, und stellt darüber hinaus die Verbundenheit zur Region dar.