Bis zu 15 Jugendliche aus allen Nationen werden im BIWAK derzeit betreut. (Foto: SOS-Archiv)In Kooperation mit dem Land Tirol und der Stadt Hall hat SOS-Kinderdorf in Hall/Tirol ein neues Projekt für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) realisiert. Die Einrichtung in der ehemaligen Krankenpflegeschule (Bruckergasse 15) ist seit 1. November 2004 in Betrieb.
Zielgruppe
In der Regel sind es unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Sie haben bereits einen kurzen Aufenthalt (inklusive erster Abklärungsschritte) in einem Erstaufnahmezentrum (zwischen 2 und 20 Tagen) und einen Aufenthalt im Clearinghouse Salzburg hinter sich. Dort wurden in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten Fragen der Zukunftsperspektiven geklärt und ein sozialpädagogischer Betreuungsbedarf festgestellt. Es handelt sich um junge Menschen, die nicht selbstversorgungsfähig sind, die eine sinnvolle Tagesstruktur brauchen und sozialpädagogische Betreuung benötigen.
Betreuungsziele
Die jungen Menschen befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation. Sie haben ihre Heimat auf Grund von Krieg, Verfolgung und Aussichtslosigkeit verlassen, wurden zudem von Erlebnissen in ihrem Heimatland traumatisiert und gezwungen, sich ohne Unterstützung ihrer Familie durchs Leben zu schlagen. Das Betreuerteam der Einrichtung ist daher bemüht, den jeweiligen individuellen Betreuungsbedarf des einzelnen Jugendlichen zu erkennen und gezielte Unterstützung und Hilfe zu leisten. Durch die Wertschätzung des jungen Menschen und durch kompetente pädagogische Begleitung fühlt er sich angenommen und in seiner Situation aufgefangen. Defizite im emotionalen, sozialen, psychischen und kognitiven Bereich werden abgebaut.
Täglich wird in der Früh Deutsch gelernt. (Foto: SOS-Archiv)Organisatorische Rahmenbedingungen
SozialpädagogInnen machen rund um die Uhr Dienst, sie strukturieren mit den Jugendlichen den Alltag, sind für sie Ansprechpartner und setzen pädagogisch sinnvolle Beschäftigungsangebote. Die gewohnte und heimelige Atmosphäre im Biwak soll eine Normalisierung der Lebenssituation der Jugendlichen ermöglichen. Um die Jugendlichen sinnvoll zu beschäftigen und sie für das konkrete Leben vorzubereiten, werden sie altersgemäß in die Hausarbeiten eingebunden. Sie haben so die Möglichkeit nach individuell abgestimmten Einführungshilfen eigene Erfahrungen beim Kochen, Waschen, Bügeln und Putzen zu sammeln. Ebenso werden Rahmenbedingungen geschaffen, dass sich die Jugendlichen mit den Schwerpunkten Jugendlichkeit, Bildung, Arbeit, Freizeit, Wahrnehmen des Kulturunterschiedes und Kenntnis der österreichischen Gesetzeslage altersgemäß beschäftigen. Das Erlernen der deutschen Sprache ist Voraussetzung.
Verselbständigung
Seit November 2004 finden jugendliche Flüchtlinge im BIWAK ein Zuhause. Foto: SOS-ArchivDer Aufenthalt in dieser Einrichtung endet mit dem Erreichen der Volljährigkeit. Wenn der Aufenthalt gesichert ist, dann wurden vor der Verselbständigung die notwendigen Schritte zu einer erstrebenswerten Integration gesetzt. Ebenso wurde alles gesetzlich Mögliche getan, um den Jugendlichen auszubilden, ihn auf ein selbst verantwortliches Leben vorzubereiten und in die Arbeitswelt zu integrieren. Ist der Aufenthalt nicht gesichert, so kommt es voraussichtlich zur Weiterwanderung in ein anderes Zufluchtsland oder Rückkehr des jungen Flüchtlings in sein Heimatland.
Der Aufenthalt im Biwak soll dem Jugendlichen zumindest soviel genützt haben, dass er nicht mit leeren Händen da steht. Seine Erfahrungen in Österreich sollen ihm helfen, in seinem Heimatland ein eigenständiges Leben aufzubauen. Zu einer realistischen Perspektive gehört sowohl die Integration in Österreich, wie die Reintegration im jeweiligen Heimatland.
Da Flüchtlinge zwangsläufig Ausländer sind haben sie nicht ungeteilte Sympathien. Bei den UMF's geht es aber in erster Linie um junge Menschen, die in Not sind und unsere Hilfe brauchen.
Biwak News
"Biwak News" - die vierteljährliche Zeitschrift der Wohngemeinschaft Biwak in Hall - können Sie gerne abonnieren. Einfach anrufen oder ein Mail schicken!
Oder Sie können immer die aktuellste Ausgabe hier auf unserer Homepage
gratis als pdf herunterladen"!