 Lesen und Schreiben können - oft keine Selbstverständlichkeit. (Foto: SOS-Archiv) |
In Europa besuchen alle Kinder und Jugendlichen aus SOS-Kinderdörfern öffentliche Schulen bzw. nützen das bestehende allgemeine Bildungs- und Ausbildungsangebot. In außereuropäischen Ländern und in Regionen, in denen sich SOS-Kinderdörfer befinden, ist das Schulwesen jedoch auf Grund ungenügender staatlicher Unterstützung und geringer Finanzmittel oftmals völlig unzureichend.
Die soziale Lage breiter Bevölkerungskreise macht die Bezahlung einer Schulgebühr unmöglich und lässt Bildung zu einem unerreichbaren Luxusgut werden. Existierende Schulen sind nicht selten mit Klassen zwischen 50 bis 70 Schülern überfüllt und könnten die zusätzliche Aufnahme von SOS-Kinderdorf-Kindern nicht verkraften.
Mit dem Bau von SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen deckt SOS-Kinderdorf insofern nicht nur den Bildungsbedarf von Kindern und Jugendlichen aus den SOS-Kinderdörfern ab, sondern verbessert besonders für die Kinder aus den umliegenden Gemeinden die Bildungschancen und entlastet bestehende Schulen.
 Schulgelände in Santa Cruz - Bolivien. (Foto: SOS-Archiv) |
Das Spektrum der SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen reicht von Primar- und Sekundarschulen über berufsbildende Schulen bis hin zu internationalen Colleges, von denen es weltweit zwei gibt. Die Schaffung akademischer und elitärer Institutionen ist jedoch sicherlich nicht die Zielsetzung des Engagements von SOS-Kinderdorf im Bildungsbereich. Der Schwerpunkt des Bildungsauftrags liegt darin, dass jedes Kind, das in einem SOS-Kinderdorf aufwächst, und so viele Nachbarskinder wie möglich eine adäquate Schulbildung erhalten.
Primar- und Sekundarschulen, die von der ersten bis zur neunten Schulstufe reichen, sind demnach die am häufigsten vertretenen Schultypen unter den SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen. Dazu kommen noch landwirtschaftliche Schulen, technische Lehrgänge und gewerbliche Ausbildungsprogramme, Sonderschulformen für geistig und körperlich Behinderte und sogar kleine Krankenschwesternschulen.
Sämtliche SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen, die oftmals als Modellschulen in den jeweiligen Ländern gelten, sind staatlich anerkannt und unterrichten nach den jeweils gültigen nationalen Lehrplänen unter besonderer Berücksichtung kultureller Besonderheiten. Pro Klasse werden maximal zwischen 30 und 40 Schüler von gut qualifizierten LehrerInnen unterrichtet, wobei fast ausschließlich einheimische Lehrkräfte angestellt werden.
Die Schulgebäude, oftmals in überschaubaren kleineren Einheiten angeordnet und mit Elementen der regionalen Architektur durchsetzt, werden in solider Bautechnik errichtet, um möglichst vielen Generationen von Schulkindern adäquate Räumlichkeiten bieten zu können.
Eine Sonderstellung unter den SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen nehmen die zwei internationalen Colleges in Tema, Ghana, und in Santa Ana, Costa Rica, ein. Diese als Internatsschulen geführten Colleges sind Bildungsstätten für begabte Jugendliche aus verschiedenen afrikanischen bzw. lateinamerikanischen SOS-Kinderdörfern und für Jugendliche aus Ghana bzw. Costa Rica. Diese höheren Schulen werden mit dem internationalen Bakkalaureat abgeschlossen, das zum Studium an fast allen Universitäten der Welt berechtigt.
Den Studenten den Zugang zu Universitäten zu ermöglichen, ist jedoch nicht das einzige Ziel des fünfjährigen Lehrgangs. Die Colleges sollen auch das Bewusstsein der Studenten für die Entwicklungen in Afrika und Lateinamerika schärfen, um soziale Verantwortung und Engagement im Sinne von "Wissen im Dienste meines Landes" zu fördern.
Zusätzlich sind die Studenten zur Teilnahme an nachbarschaftlichen Hilfsprojekten verpflichtet. Das können Alphabetisierungsprogramme für die lokale Bevölkerung sein, die Mithilfe in Behindertenheimen oder Unterstützung beim Bau von Wasserleitungen für die umliegenden Gemeinden. In Anerkennung dieser Nachbarschaftshilfe erhielt das College in Tema 1996 den Robert Blackburn Award.