Angela Sasshofer versucht, dem Leben der Kinder eine Richtung zu geben. (Foto: D. Gavrisch)Warum sind Sie SOS-Kinderdorf-Mutter geworden?
Angela Sasshofer: Ich war 20 Jahre lang Fremdsprachensekretärin, für internationale Konzerne tätig und auch viele Jahre im Ausland. Dann stellte sich für mich die Frage, ob ich mich in diesem Bereich weiterbilde und ein Studium anfange, oder ob ich auf etwas komplett anderes umsteige. Und dann habe ich die zweijährige Ausbildung zur Familienpädagogin gemacht.
Wie kamen Sie auf das SOS-Kinderdorf?
Angela Sasshofer: Ich kannte es schon seit meiner Kindheit. Wir hatten auch immer den "Kinderdorfboten" daheim. Ich war also mit den SOS-Kinderdörfern und Hermann Gmeiner vertraut.
Welche Kinder haben Sie bekommen?
Angela Sasshofer: Üblicherweise werden Kinder im Kernalter von null bis zehn Jahren von einer fixen Bezugsperson aufgenommen. Ich bekam eine Geschwistergruppe von fünf Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Mittlerweile sind bereits drei davon ausgezogen, zwei haben eine Lehre gemacht. Der Älteste studiert an der Wirtschaftsuniversität.
Wie sieht der Alltag einer SOS-Kinderdorf-Mutter aus?
Angela Sasshofer: Es ist der Alltag einer alleinerziehenden Mutter: waschen, bügeln, putzen, kochen, den Kindern bei den Aufgaben helfen, Termine koordinieren, Taxi spielen, und vieles mehr. Der Unterschied ist, dass man angestellt und krankenversichert ist, dass man fünf Wochen Urlaub hat und vor allem, dass man auf ein Netzwerk an Hilfe zurückgreifen kann. Die Pflege und die Entscheidungen, die ein Menschenleben betreffen, zu fällen, über diese wichtigen Dinge muss man sich austauschen können.
Alle Kinder, die aufgenommen werden, haben besondere Bedürfnisse, oder?
Angela Sasshofer: Ja, jedes Kind bringt einen Rucksack mit, hat Förderbedarf und vor allem Nachholbedarf. Es sind in erster Linie Kinder, bei denen die Jugendwohlfahrt zum Wohle des Kindes eingreifen musste und die langfristig anderswo aufwachsen müssen, um gedeihen zu können. Sie brauchen Ruhe und Beständigkeit im Alltag, trotz all der Flexibilität, die man im Umgang mit ihnen an den Tag legen muss.
Wie sieht Ihr Alltag heute aus? Ihre Kinder sind nun groß.
Angela Sasshofer: Jetzt bin ich halbtags Mutter und halbtags für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger da. Ich gebe Informationen, mache Führungen, spüre nach, ob es passt.
Wer ist die Zielgruppe für diesen Beruf?
Angela Sasshofer: Die Interessenten kommen aus allen Berufen. Interessanterweise kommen die wenigsten aus pädagogischen Berufen. Aber wir bemühen uns auch um diese Gruppe, da sie ja schon eine gewisse Vorbildung haben und die Ausbildung daher kürzer ist.