"Aus der fast sechzigjährigen Geschichte von SOS-Kinderdorf beurteilen wir den vorliegenden Gesetzesentwurf in Hinblick auf seine Entstehung durch die breite Einbindung von Experten und Expertinnen aus dem öffentlichen und privaten Bereich sowie aus Praxis und Wissenschaft als außerordentlich positive Entwicklung auf dem Weg zu optimalen gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Leben von Kindern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen und ihren Familien.
Zur weiteren nachhaltigen Verbesserung im Lichte der Optimierung des Wohlergehens von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unserer Gesellschaft und Fortsetzung dieses nun einmal begonnen Prozesses regen wir einen Folgeprozess unter Anknüpfung an die vorliegenden Ergebnisse unter besonderen Berücksichtigung der Stellungnahmen der Mitglieder der Arbeitskreises und der gesetzlichen Errichtung einer entsprechende Inklusionsrunde (Beirat) mit ähnlicher interdisziplinären Besetzung zur ständigen ministeriellen Beratung in diesen Angelegenheiten an. Daraus würden wir uns eine über die Legislaturperioden hinausgehende fachliche Kontinuität und entsprechende Entwicklung der Materie erwarten, die auch im Bezug auf die nationalen Anstrengungen im Hinblick auf internationale Verpflichtungen (concluding observations, Staatenberichte etc) eine qualitative Verbesserung brächten und fernab von Anlassgesetzgebung gesellschaftlichen Veränderungen zeitgemäß Rechnung tragen könnten. Letztlich wäre aus der genannten Runde auch in den Bereichen der Forschung, der Vereinheitlichung der Verwaltungspraxis und der Planung wertvolle Impulse zu gewinnen.
Für in Zukunft zunehmend wichtiger werdende Inhalte (unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder als Opfer von Kinderhandel, Partizipation von Kindern, delinquente Kinder/Jugendliche, staatliche Gewährleistung der Grund- und Menschenrechte gegenüber Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der Jugendwohlfahrt aufwachsen usw.) sowie Fragen der Rechtsstaatlichkeit (Rechtssicherheit, Transparenz der Systematik der Bestimmungen, Vorhersehbarkeit), die im Diskussionsprozess größten Teils ausgespart blieben, herrscht unserer Meinung nach jedenfalls weiterhin Handlungsbedarf, damit allgemein von einer umfassenden Erneuerung der Jugendwohlfahrt gesprochen werden kann."
Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf
Alexandra Murg-Klenner, Abteilungsleiterin im Fachbereich Pädagogik